Havanna/Madrid/London. Eine internationale Koalition aus sozialen Bewegungen, Gewerkschaften und humanitären Organisationen hat am Dienstag angekündigt, im März einen Schiffskonvoi mit Lebensmitteln und Medikamenten nach Kuba zu entsenden. Die Initiative reagiert auf die sich verschlechternde Versorgungslage infolge der US-Energieblockade, durch die keine Erdöllieferungen mehr in Kuba ankommen.
Die Flotilla "Nuestra América" soll durch die Karibik nach Kuba fahren und Versorgungsgüter liefern, wie die Organisatoren gegenüber der spanischen Zeitung elDiario mitteilten. Vorbild ist die Globale Sumud-Flotilla, die im vergangenen Jahr versuchte, die israelische Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen.
"Wir bereiten uns darauf vor, nach Kuba zu segeln, um die Blockade zu durchbrechen, Lebensmittel und Medikamente zu bringen", sagte David Adler vom Kollektiv Progressive International. Die jüngsten Sanktionsverschärfungen hätten Kraftstoffimporte unterbrochen, Flugzeuge am Boden festgehalten und das Land zu landesweiten Sparmaßnahmen gezwungen.
Zu den Unterstützern gehören der britische Parlamentsabgeordnete Jeremy Corbyn, die demokratische US-Kongressabgeordnete Rashida Tlaib und die ehemalige Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau. "Die Trump-Administration erstickt das kubanische Volk", erklärte Tlaib.
Parallel zur geplanten Flotilla treffen bereits staatliche Hilfslieferungen ein. Mexiko hat 800 Tonnen Hilfsgüter nach Kuba geliefert, darunter Grundnahrungsmittel und Milchpulver (amerika21 berichtete). Präsidentin Claudia Sheinbaum kündigte eine zweite Lieferung mit mehr als 1.500 Tonnen an, schloss jedoch Erdöl aus, um Handelsbeziehungen zu den USA nicht zu gefährden.
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Russland erwägt nach Angaben von Botschaftsquellen in Havanna "in Kürze" eine Lieferung von Erdöl und Erdölprodukten als humanitäre Hilfe. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte Kontakte mit Kuba, wollte sich jedoch "aus offensichtlichen Gründen" nicht zu konkreten Lieferungen äußern.
Laut Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel kommen seit Dezember keine Öllieferungen mehr auf der Insel an. Nach der Entführung von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro haben die USA angekündigt, sämtliche Erdöllieferungen zu unterbinden, und Zölle gegen alle potenziellen Lieferanten zu erheben. Zudem wurden Schiffe umgeleitet, mit denen Kuba Handelsbeziehungen unterhält.
Die UN-Generalversammlung hat seit 1992 in 30 Abstimmungen das Ende der US-Wirtschaftsblockade gegen Kuba gefordert, zuletzt im Oktober 2025. Bei der jüngsten Abstimmung stimmten 165 Länder für die Aufhebung der Blockade, nur sieben dagegen. Diese Woche verurteilten mehrere UN-Sonderberichterstatter die am 29. Januar verhängte Energieblockade als "schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht". Es gebe "keine Rechtfertigung nach internationalem Recht, wirtschaftliche Sanktionen gegen Drittstaaten zu verhängen, weil sie an legitimen Handelsbeziehungen mit einem anderen souveränen Staat teilnehmen".
Die Organisatoren der Flotilla haben eine Webseite gestartet, um Unterstützung zu sammeln. Am kommenden Sonntag findet die erste Versammlung zur logistischen Planung statt.


