Caracas/Neu-Delhi/Washington. Der indische Energiekonzern Reliance Industries hat eine Genehmigung der USA erhalten, um wieder venezolanisches Öl zu beziehen. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters umfasst die allgemeine Lizenz das Recht auf Kauf, Raffinierung, Verkauf und Wiederexport von Rohöl aus Venezuela.
Reliance Industries ist mit einem Jahresumsatz von knapp 100 Milliarden Euro Indiens größtes privates Unternehmen. Der Konzern hatte bereits seit zwei Jahrzehnten regelmäßig größere Mengen Öl aus Venezuela importiert, war jedoch im Jahr 2021 aufgrund der US-Sanktionen davon abgerückt. Eine kurzfristige Wiederaufnahme der Käufe 2024 wurde im Januar 2025 erneut gestoppt. In den vergangenen Tagen bezog Reliance Industries rund zwei Millionen Barrel venezolanischen Öls über die Handelsgesellschaft Vitol, die von US-Präsident Trump autorisiert wurde, dieses auf dem Weltmarkt zu verkaufen.
Die Genehmigung zugunsten von Reliance Industries weist auf eine mögliche Aufweichung des US-Sanktionsregimes gegen Venezuela hin. Bisher hatten die USA jegliche Firmen, die Geschäftsbeziehungen mit Venezuelas Behörden oder der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA unterhielten, mit Bußen und Sanktionen gedroht. Doch es gibt auch entgegengesetzte Anzeichen, wie das Kapern des Öltankers "Aquila II" durch US-Streitkräfte im Indischen Ozean vor einigen Tagen. Das Schiff habe gegen die von den USA verhängte Seeblockade gegen Venezuela verstoßen, begründete US-Präsident Donald Trump die Beschlagnahme des Schiffs.
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So könnte die Ausnahmeerlaubnis, venezolanisches Öl nach Indien zu importieren, auch darin begründet sein, dass Indiens Erdölimporte aus Russland den USA ein Dorn im Aufe sind. Trump hatte zuletzt Strafzölle von 25 Prozent auf indische Produkte aufgehoben und dabei angekündigt, Indien werde in Zukunft mehr Öl aus den USA und möglicherweise aus Venezuela beziehen.
Venezuela wiederum bemüht sich seit Monaten, seine Ölproduktion anzukurbeln und internationale Abnehmer zurückzugewinnen. Nach dem Luftangriff und der Entführung von Präsident Nicolás Maduro durch die USA am 3. Januar hat das Parlament auf Betreiben der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez ein neues Gesetz über Kohlenwasserstoffe verabschiedet. Es ermöglicht Mehrheitsbeteiligungen ausländischer Unternehmen an Ölförderprojekten. Vergangenen Mittwoch empfing Rodríguez zudem den US-Energieminister Christopher Wright in Caracas, um über eine "gemeinsame Energieagenda" zu sprechen (amerika21 berichtete).
In einem Interview mit dem Fernsehsender NBC forderte Rodríguez erneut ein Ende der US-Sanktionen gegen ihr Land. Venezuela müsse ein "sanktionsfreies Land" werden, um seine wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben und die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern, so Rodríguez. Gleichzeitig unterstrich sie, dass Venezuela seine wirtschaftliche Souveränität verteidigen wolle und internationale Kooperationen auf gegenseitigem Respekt basieren müssten.


