El Salvador / Politik

Viele Menschen in El Salvador ohne Parteibindung, Bukele beliebt

bukeleismus.jpg

"Bukeleismus" - Bild des Präsidentenpaares an einer Grenzstation in El Salvador
"Bukeleismus" - Bild des Präsidentenpaares an einer Grenzstation in El Salvador

San Salvador. 57,7 Prozent der Einwohner El Salvadors haben keine Präferenz für eine politische Partei. Das geht aus einer Umfrage des Instituts für öffentliche Meinung der Zentralamerikanischen Universität José Simeón Cañas (UCA) hervor. Mit Abstand die höchste Zustimmung erhielt die Partei Nuevas Ideas (NI) von Staatspräsident Nayib Bukele mit 34,9 Prozent. Die linke FMLN bevorzugen nur noch 1,7 Prozent der Wähler. 1,5 Prozent sind es für die rechte Arena. Beide Parteien waren über die Jahrzehnte nach dem Friedensabkommen 1992 die dominierenden politischen Kräfte in dem zentralamerikanischen Land gewesen und hatten bis zum Wahlsieg von Bukele 2019 durchgehend den Staatspräsidenten gestellt.

Damit hat die NI in der Bevölkerung wieder an Sympathie zugelegt, nachdem sie mit 29,7 Prozent im Mai 2025 ihre schlechtesten Werte seit 2020 erreicht hatte. Zentral für die Zustimmung ist nach Presseangaben die Person Bukele, dessen Zustimmungs- und Sympathiewerte noch deutlich über denen der NI liegen. So geben die Befragten Bukele auf einer Skala von null bis zehn 8,39 Punkte, 0,26 Punkte mehr als 2024. 58,3 Prozent der Befragten geben an, sehr viel Vertrauen in Bukele zu haben, 21,1 Prozent ein "gewisses Vertrauen", 14,1 Prozent haben "wenig" und 6,6 Prozent "kein Vertrauen" in den Präsidenten. Im Gegensatz zum hohen Vertrauen hatten bei einer Umfrage der UCA im vergangenen Jahr 58 Prozent der Befragten angegeben, bei Kritik an der Regierung Repressionen zu befürchten (amerika21 berichtete).

In der aktuellen Umfrage gaben 48,3 Prozent an, Vertrauen in die Zentralregierung zu haben, in die Armee 47,6 Prozent und in die Polizei 45,2 Prozent. Zentral für die hohen Zustimmungswerte ist die verbesserte Sicherheitslage im Land. 62,7 Prozent gaben an, die Sicherheitslage sei der größte Erfolg der Regierung. Nach offiziellen Angaben gab es 2025 im Land 82 Morde, was einer Quote von 1,3 Morden auf 100.000 Einwohner entspricht. 2019 waren es noch 2.398 Morde, allerdings war die Zahl bis 2021, vor der Verhängung des Ausnahmezustands, schon auf 1.147 gesunken. 2015 war mit 6.656 Morden das gewalttätigste Jahr nach dem Ende des Bürgerkrieges gewesen.

Sie schätzen unsere Berichterstattung?

Dann spenden Sie für amerika21 und unterstützen unsere aktuellen Beiträge über das Geschehen in Lateinamerika und der Karibik. Damit alle Inhalte von amerika21.de weiterhin für Alle kostenlos verfügbar sind.

Seit 2022 herrscht in El Salvador der Ausnahmezustand. Im Rahmen dessen wurden rund 90.000 Menschen verhaftet. Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass mindestens 30.000 unschuldig inhaftiert sind. Schon 2024 hatten 36 Prozent der Einwohner angegeben, von unschuldig Inhaftierten in ihren Gemeinden zu wissen.

Die wirtschaftliche Lage in El Salvador beurteilt dagegen eine Mehrheit der Befragten kritisch. 63,8 Prozent zeigen sich besorgt über die ökonomische Lage und geben an, dass die Lebenshaltungskosten 2025 gestiegen sind.

Luis Haug, Leiter des CID Gallup, das die Umfrage durchführte, spricht von einem Phänomen des Bukeleismus, das die Umfrageergebnisse erklärt. "Die Identität der Partei gehört dem Präsidenten. Was in El Salvador existiert, ist 'Bukeleismus'; es gibt keine Nuevas Ideas, keinen Bürgermeister mit starkem Image, keinen Minister – es gibt nur Bukeleismus", wurde er im rechten argentinischen Portal Infobae zitiert. Neben der gesunkenen Mordrate lässt sich Bukeles Image auch mit starker Präsenz in den sozialen Netzwerken erklären.