Paris. Eine neue Studie aus Frankreich belegt den Rückgang von Vogelpopulationen bei häufigem Einsatz von Pestiziden. Das Ergebnis ist für Lateinamerika besonders relevant, da die Region weltweit am meisten Agrochemikalien verbraucht. Allein zwischen 2000 und 2020 ist der Anteil der Region am globalen Konsum von Pestiziden von 44 auf 51 Prozent gestiegen, so die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Darauf verwies die Studie "Sie vergiften uns" des Zentrums für reproduktive Rechte.
In Lateinamerika ist ebenso seit Jahren der Zusammenhang zwischen Pestizideinsatz und Artensterben bekannt, nicht erst seit dem Bericht des Weltbiodiversitätsrats (Ipbes) über Bestäuber, Ökosystemleistungen und Nahrungsproduktion im Jahr 2016. Der Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide wird in Lateinamerika bereits seit Jahrzehnten mit dem Rückgang der Populationen von Nützlingen, Vögeln und anderen Tieren in Verbindung gebracht.
Die neue französische Studie, die am 14. Januar in der Zeitschrift Proceedings of the Royal Society B veröffentlicht wurde, vergleicht Daten zum Verkauf von Pestiziden mit der Beobachtung gewöhnlicher Vogelarten in Frankreich. Bei 84 Prozent der untersuchten Arten war die Population desto geringer, je mehr Pestizide verkauft wurden. Die Studie belegt die direkte und indirekte Rolle von Pestiziden beim Rückgang der Artenvielfalt, wie die Zeitung Le Monde und europäische Agenturen hervorheben.
Mehrere Studien haben bereits gezeigt, dass Pestizide schädliche Auswirkungen auf eine Vielzahl von Arten haben können, darunter Bienen, Würmer und Vögel, wie auch auf die menschliche Gesundheit. Bereits 2021 hatte eine Untersuchung dokumentiert, dass in Frankreich die Population von Feld- und Stadtvögeln in den letzten drei Jahrzehnten um 30 Prozent zurückgegangen ist.
Die Studie liefert neue Erkenntnisse zu den Ursachen: Die Analyse verknüpft zwei Datenbanken über den Verkauf von Pestiziden in Frankreich und die Beobachtung von gewöhnlichen Vögeln miteinander. Laut der Erstautorin Anne-Christine Monnet, Forscherin am Zentrum für Ökologie und Naturschutzwissenschaften des Nationalmuseums für Naturgeschichte Frankreichs, ist für 84,4 Prozent der untersuchten Arten die Korrelation negativ: Je mehr Pestizide verkauft werden, desto geringer sei die Häufigkeit der Arten und ihre Population. Der Effekt sei sehr stark, und viele Arten seien betroffen.
Die Studie untersucht erstmals die Auswirkungen von 242 verschiedenen Pestizidwirkstoffen in ganz Frankreich. Sie konzentriert sich auf alle Arten von Vögeln, die häufig in landwirtschaftlichen Gebieten vorkommen, darunter Nachtigallen, Goldfinken und Falken. Darüber hinaus haben die Forscher:innen die direkte Wirkung von Pestiziden von anderen Faktoren getrennt, die mit der Intensivierung der Landwirtschaft zusammenhängen, wie Grundstücksgröße, Landschaftsvielfalt, Hecken, Anbauart und Pflugeinsatz.
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Die Wissenschaftler:innen des Nationalen Naturkundemuseums Frankreichs und der Universität Poitiers verwendeten Daten aus dem Jahr 2017 aus dem Nationalen Register für den Verkauf von Pestiziden durch zugelassene Händler nach Postleitzahlen.
Um zu bestätigen, dass das Verkaufsvolumen die lokale Umweltverschmutzung widerspiegelte, verglichen die Forscher:innen die Daten mit einer weiteren Datenbank über Pestizidrückstände in Oberflächengewässern. Sie fanden dabei viele positive Korrelationen: Je mehr giftige Substanzen ausgebracht wurden, desto mehr Rückstände fanden sich im Wasser.
Die Daten wurden mit der Echtzeit-Überwachung gewöhnlicher Vögel abgeglichen, einem wissenschaftlichen Programm, das Schwankungen in der Artenvielfalt in Frankreich erfasst. Von den 64 Vogelarten, die die untersuchten landwirtschaftlichen Lebensräume regelmäßig nutzen, waren 54 in den Regionen, in denen Pestizide am meisten verkauft wurden, statistisch signifikant oder nahezu signifikant seltener anzutreffen. Die Kontamination der Felder betrifft alle Vogelarten.
Der Stiftung für Biodiversitätsforschung zufolge, die nicht an der Studie beteiligt war, sind die Ergebnisse sehr aussagekräftig. Die meisten der untersuchten Arten reagierten negativ auf den vermehrten Einsatz von Pestiziden. Pestizide beeinträchtigen Vögel sowohl direkt, wenn Vögel behandelte Samen oder kontaminierte Insekten oder Pflanzen fressen, als auch indirekt, indem verfügbare Nahrungsquellen wie Insekten reduziert werden.
So untermauert die Studie Erkenntnisse aus Lateinamerika, wo in landwirtschaftlichen Intensivregionen seit langem die negativen Auswirkungen des Pestizideinsatzes auf Gesundheit und Umwelt dokumentiert sind (amerika21 berichtete).


