"Kokain oder Frieden": Petro kritisiert ELN nach vermeintlichem US-Angriff in Venezuela

Kolumbiens Präsident bezieht sich auf eine angeblich von Trump bombardierte Fabrik in Maracaibo. Petro verteidigt sich auch gegen Angriffe aus den USA

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Gustavo Petro, Präsident von Kolumbien, hier bei einer Zeremonie der Armee
Gustavo Petro, Präsident von Kolumbien, hier bei einer Zeremonie der Armee

Bogotá/Caracas. Kolumbiens Präsident Gustavo Petro beschuldigt die kolumbianische Guerilla ELN (Ejército de Liberación Nacional), in der angeblich von den USA zerstörten Fabrik in Venezuela Kokain zu produzieren. "Wir wissen, dass Trump eine Fabrik in Maracaibo bombardiert hat, wir befürchten, dass dort Kokapaste zu Kokain verarbeitet wird und man die Lage vom Maracaibo am Meer ausnutzt. Es ist einfach die ELN. Die ELN ermöglicht mit ihrem Geschwätz und ihrem dogmatischen Denken die Invasion Venezuelas", schrieb der Staatschef am Dienstag in einer Mitteilung auf X. "Die ELN in Catatumbo und die Frente 33 müssen sich entscheiden, ob sie um Kokain oder um Frieden konkurrieren wollen", hieß es weiter in der Erklärung.

US-Präsident Donald Trump hatte am Montag gegenüber der Presse von einem Angriff auf einen Hafen in Venezuela gesprochen, aber weder einen konkreten Ort noch weitere Details genannt (amerika21 berichtete). Von Caracas wird der Vorfall nicht bestätigt, aber auf einen Brand in einem Lagerhaus in Maracaibo hingewiesen, der von Trump gemeint sein könnte. Dieser hatte von einer "großen Explosion" gesprochen.

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Im Zuge der Angriffe auf vermeintliche Drogenboote vor Venezuela war auch Petro von den USA verbal angegriffen und des Drogenhandels beschuldigt worden. Zuvor hatte der Staatschef ausgeschlossen, Kolumbien als Aufmarschgebiet gegen Venezuela zur Verfügung zu stellen und die USA scharf kritisiert. Auch in der aktuellen Erklärung auf X schrieb Petro: "Ich weiß nicht, ob Maduro unrechtmäßig Reichtümer aus Venezuela abgezogen hat, in unserem Land gibt es keine Beweise für Drogenhandel seinerseits." Man habe aber Trump "glauben gemacht, dass ich Maduros Strohmann sei", schrieb Petro. "Ich dachte, der US-Geheimdienst sei professioneller, oder wenn er es ist, hört der US-Präsident nicht auf ihn und umgibt sich mit gierigen Rechtsextremen, die nicht nach der Wahrheit suchen."

Bezüglich seines Verhältnisses zur Regierung in Venezuela erklärte Petro, er werde nach Neujahr "über die Besonderheiten meiner Beziehung zur progressiven Bewegung von Chávez und meine Frustrationen über das, was nach seinem Tod von seiner Regierung übriggeblieben ist", berichten. Zum Abschluss seiner Stellungnahme ging Petro auf die Vorwürfe gegen ihn ein, mit denen er wegen angeblicher Verstrickung in Drogenhandel im Oktober auf die Sanktionsliste des Office of Foreign Assets Control (OFAC) gesetzt wurde (amerika21 berichtete). "Sogar die New York Times hat bereits einen Artikel veröffentlicht, in dem sie schreibt, dass sie keine Beweise gegen mich gefunden hat, um mich weiterhin unter OFAC zu stellen. Was für eine Blamage für die US-Regierung. Mein letztes Telefongespräch mit Maduro drehte sich darum, wie wir gemeinsam die ELN an der Grenze bekämpfen können. Ich bin ein freier Mann und werde es immer bleiben, und die Gier interessiert mich nicht", hieß es abschließend.