Cali. In der kolumbianischen Stadt Cali sind im Morgengrauen des 16. Dezember bei einem Bombenangriff der Guerillagruppe ELN zwei Polizisten getötet worden. Die Explosion ereignete sich gegen 3:40 Uhr Ortszeit, als die Beamten auf einer Routinemission unterwegs waren. Kurz danach detonierte ein zweiter Sprengsatz in der Nähe eines Polizeipostens, der allerdings keine weiteren Opfer forderte.
Als Reaktion auf den Angriff hat die Stadtverwaltung eine Belohnung von umgerechnet 44.000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung der Täter führen. Die Sicherheitskräfte verstärkten zugleich die Präsenz in den betroffenen Vierteln.
Die Guerilla führt derzeit einen 72 Stunden andauernden "bewaffneten Streik" (paro armado) durch. Er begann am 14. Dezember und soll bis zum 17. Dezember andauern. In einem Kommuniqué begründet die ELN den paro armado ausdrücklich als Protest gegen die "imperialistische Intervention" und die "Drohungen der USA" in der Region. Zugleich kündigte sie während dieser Zeit Einschränkungen der Mobilität auf Straßen und Flüssen an.
Bereits jetzt ist der paro armado zum weitreichendsten bewaffneten Protest des Jahres geworden. Die Guerilla hat mehr als 50 Aktionen in verschiedenen Teilen des Landes durchgeführt, darunter Installationen von Symbolen und Flaggen, Verbreitung von Pamphleten, Drohungen, aber auch gewaltsame Angriffe gegen Polizei und Militär sowie die Infrastruktur.
Die Guerilla hat vor allem in der Catatumbo-Region im Nordosten des Landes mehrere Straßenblockaden und Brandanschläge auf Fahrzeuge verübt und Drohungen gegen Transportunternehmen und Fahrer ausgesprochen.
Im Chocó kommt es zu Einschränkungen des Flussverkehrs durch die bewaffnete Präsenz der ELN. Der Handel ist zum Erliegen gekommen.
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Im Departamento Guajira an der Karibikküste sprachen Bewaffnete gegenüber Zivilisten Drohungen aus und zeitweise ist der Überlandverkehr lahmgelegt.
Im Departamento Santander gab es Sprengstoffanschläge gegen die Infrastruktur sowie Drohungen gegen Sicherheitskräfte. Bei einem Angriff auf eine Polizeistation wurde ein Rettungswagenfahrer bei einem Schusswechsel getötet.
Auch im nördlichen Departamento Sucre wurden Einschüchterungen der Zivilbevölkerung – insbesondere gegen Händler und Busunternehmen – gemeldet. Es kommt daher zu Verkehrsbehinderungen.
Im Valle del Cauca im Südwesten Kolumbiens, wo auch Cali liegt, wurden neben dem tödlichen Anschlag weitere Bedrohungen und Sabotageakte registriert.
Die Situation sorgt bei vielen Zivilisten für Verunsicherung. Der kolumbianische Verteidigungsminister Pedro Arnulfo Sánchez bestätigte die Zahl der registrierten Vorfälle und bezeichnete diese als direkten Angriff auf die Bevölkerung. Kolumbiens Präsident Gustavo Petro verurteilte den paro armado und rief die Bevölkerung dazu auf, die Weihnachtssaison ohne Angst fortzusetzen, während Sicherheitskräfte verstärkt gegen die Guerilla vorgehen.


