Chile / Soziales

Bauarbeiter in Chile streiken beim Bau des ESA-Teleskops

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E-ELT, ESA Teleskop
Das zukünftig größte Teleskop der Welt wir derzeit in Chile gebaut

Santiago de Chile. Die Arbeiter für das weltweit größte Teleskop sind auf der Baustelle in der Atacamawüste in Chile in einen unbefristeten Streik getreten. Auf dem 3.000 Meter hohen Berg Amazone 130 Kilometer südlich von Antofagasta wird derzeit im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) das Teleskop E-ELT (European Extremely Large Telescope) gebaut. Die Arbeiter legten die Arbeit nieder und sperrten die Zufahrt zur Baustelle mit brennenden Barrikaden. Im März 2024 hatte die Branchengewerkschaft Sinami (Sindicato Interempresa Nacional de Montaje Industrial) nach fruchtlosen Verhandlungen schon einmal zum Streik aufgerufen.

In der Presse und den sozialen Medien machen die Beschäftigten ihrem Unmut Luft: "Das ist kein wissenschaftliches Projekt, sondern Sklaverei mit Aussicht auf die Sterne. Wir ertragen nicht länger die Erniedrigungen." Sie erheben schwerwiegende Vorwürfe. In den Toiletten gebe es weder Wasser noch Seife. Sie reklamierten Sicherheitsgurte mit Verfallsdatum sowie fehlerhafte und kaputte Helme. Es komme immer wieder zu Arbeitsunfällen, teilweise mit schweren Folgen, die von der Firma verschwiegen werden. Den Beschäftigten würden pro Schicht nur 30 Minuten zum Mittagessen genehmigt und die Bezahlung sei zu niedrig. Sie fordern Erschwerniszulagen, die den Arbeitsbedingungen auf 3.000 Meter Höhe und den klimatischen Bedingungen entsprechen müssen.

Zum Vergleich: Die Baustelle befindet sich auf der Höhe von Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, wo der Sauerstoffgehalt etwa 30 Prozent niedriger ist als auf Meereshöhe.

Ohne Moos nix los

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Die Forderungen sind direkt an die Firma Cimolai gerichtet, die Teil eines italienischen Konsortiums ist. Sie erhielt den Auftrag im Wert von 446 US-Dollar für den Bau des Observatoriums, das hohen Ansprüchen genügen muss. Es muss erdbebensicher sein sowie hohen Temperaturschwankungen und starken Winden widerstehen. Auf der Webseite listet die Firma ihre Zertifikationen auf. Darunter befindet sich die weltweit gültige ISO 30.415, die für Personalmanagement, ​​Vielfalt, Gleichstellung und Inklusion gilt.

Das E-ELT wird nach der Fertigstellung das weltweit größte Teleskop sein. Mit einem Durchmesser des Hauptspiegels von fast 40 Metern übertrifft es in Reichweite und Detailtreue alle Weltraumteleskope und andere in der Planung befindlichen Teleskope auf der Erde. Das Projekt ist seit 2016 in der Planung und soll ab 2028 erste Bilder liefern.