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Airlines streichen nach US-Warnungen Flüge nach Venezuela

Präsenz der US-Streitkräfte in der Karibik. Eskalation könnte zivile Luftfahrt bedrohen. Venezuela droht Airlines mit Entzug der Fluggenehmigungen

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Ein Flugzeug am Flughafen Maiquetía. Wieviel Verkehr dort in nächster Zeit sein wird, ist noch unklar
Ein Flugzeug am Flughafen Maiquetía. Wieviel Verkehr dort in nächster Zeit sein wird, ist noch unklar

Washington/Caracas. Mehrere internationale Fluggesellschaften haben nach einer offiziellen Warnung der US-Luftfahrbehörde für den internationalen Flughafen Maiquetía in Caracas ihre Verbindungen nach Venezuela vorübergehend eingestellt. Grund sind anhaltende Manöver der US-Streitkräfte vor der Küste des südamerikanischen Landes.

In der Warnung der Luftfahrbehörde FAA vom vergangenen Freitag heißt es, Piloten sollen "Vorsicht walten lassen", wenn sie in das sogenannte Maiquetía-Fluginformationsgebiet einfliegen oder dieses überqueren. Laut der FAA könnte eine Verschlechterung der Sicherheitslage in Verbindung mit verstärkten Militärmanövern ein "potenzielles Risiko für Flugzeuge auf allen Flughöhen" darstellen, also nicht nur beim Überflug, sondern auch beim Start, bei der Landung oder sogar am Boden. Geplante Flüge sollen der FAA zudem mindestens 72 Stunden im Voraus angekündigt werden.

Infolge der Warnung strichen mehrere internationale Fluggesellschaften ihre Verbindungen von und nach Caracas, darunter die spanische Iberia, die portugiesische TAP sowie die lateinamerikanischen Gesellschaften Avianca (Kolumbien), Gol (Brasilien), LATAM und Caribbean Airlines. Auch die Turkish Airlines setzte für diese Woche ihre Flüge aus.

Die venezolanische Regierung forderte daraufhin am Montag die Fluggesellschaften dazu auf, ihren Betrieb innerhalb von 48 Stunden wiederaufzunehmen. Andernfalls drohte sie den Entzug der Fluggenehmigungen an. "Der venezolanische Staat hat sich gegenüber den Fluggesellschaften klar positioniert und wird die entsprechenden Maßnahmen ergreifen" sagte eine Quelle aus dem Verkehrsministerium gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur EFE. Die Frist läuft heute um 12:00 Uhr Ortszeit ab.

Parallel zu der Warnung seiner Regierung hat US-Kriegsminister Pete Hegseth "einen Haufen neuer Operationen" gegen mutmaßliche "Drogenterroristen" angekündigt. Am vergangenen Donnerstag führten die US-Streitkräfte eine großangelegte Übung durch. Bei der größten Machtdemonstration vor Venezuelas Küste seit Beginn des massiven Truppenzusammenzugs der USA tauchten mindestens sechs US-Flugzeuge vor der Küste Venezuelas auf und blieben dort mehrere Stunden lang, darunter ein Überschall-Kampfflugzeug vom Typ F/A-18E, ein strategischer B-52-Bomber und Aufklärungsflugzeuge, wie aus einer Auswertung öffentlich zugänglicher Flugdaten durch CNN hervorgeht.

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In den vergangenen Wochen haben die USA zudem über 10.000 Soldaten und den weltgrößten Flugzeugträger "USS Gerald R. Ford" in die Region verlegt. Bei mutmaßlichen Einsätzen gegen "Drogenboote" wurden mehrere Dutzend Menschen getötet. Kritiker bezeichnen die Angriffe als außergerichtliche Tötungen ohne rechtliche Grundlage (amerika21 berichtete).

Einer der schärfsten internationalen Kritiker des Vorgehens der USA ist Kolumbiens Präsident Gustavo Petro. Er beklagte auch die jüngste Aussetzung von Flügen. "Es muss regelmäßige Flüge in alle lateinamerikanischen Länder sowie von Lateinamerika in die ganze Welt geben", so Petro, der die Blockade ganzer Länder und Völker als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnete.

Auch Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva äußerte sich am Wochenende besorgt über das Vorgehen der USA und kündigte an, mit US-Präsident Donald Trump den Dialog zu suchen, um eine militärische Eskalation zu verhindern.

Von US-Präsident Trump kamen indes zuletzt widersprüchliche Signale. Einerseits verstärken die USA die militärische Drohkulisse gegenüber Venezuela, andererseits erwähnte Trump kürzlich vor Medien die Möglichkeit, "in nicht weit entfernter Zukunft" persönlich mit Venezuelas Präsident Nicolás Maduro zu sprechen (amerika21 berichtete).

Venezuelas Regierung warnte zuletzt in einem Kommuniqué erneut davor, die USA könnten "neue und lächerliche Lügen" als Vorwand nutzen, um illegalerweise militärisch in Venezuela zu intervenieren.