38 Millionen Tote: Studie ordnet sie Sanktionen von USA und EU zu

Sanktionen nehmen zu und richten sich aktuell gegen rund 60 Länder. In den neunziger Jahren mehr als eine Million Tote pro Jahr. Besonders betroffen ist der Globale Süden

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"Schluss mit den imperialistischen Sanktionen", fordert ein Demonstrant in Venezuela
"Schluss mit den imperialistischen Sanktionen", fordert ein Demonstrant in Venezuela

Denver. Ein Artikel in The Lancet Global Health verbindet die seit den siebziger Jahren verhängten einseitigen Zwangsmaßnahmen der USA und der EU mit rund 38 Millionen Todesfällen. Die Studie unter Leitung des Wirtschaftswissenschaftlers Francisco Rodriguez von der University of Denver liefert neue Ansätze, um die menschlichen Opfer solcher Maßnahmen zu beziffern. In einigen Jahren der neunziger Jahre lag die Zahl der Todesopfer demnach bei durchschnittlich mehr als einer Million jährlich. Im Jahr 2021, dem jüngsten Erhebungsjahr, werden den Maßnahmen mehr als 800.000 Todesfälle zugeschrieben – damit forderten sie mehr Opfer als direkte Kriegshandlungen.

Besonders betroffen sind laut der Studie Kinder und ältere Menschen, die überaus anfällig für Unterernährung sind. Allein im Jahr 2021 starben über eine Million Kinder infolge einseitiger Zwangsmaßnahmen. Die Hauptlast tragen dabei die Bevölkerung der betroffenen Länder selbst. So führten die US-Maßnahmen gegen den Irak in den neunziger Jahren zu weit verbreiteter Unterernährung sowie zu Engpässen bei Trinkwasser, Medikamenten und Strom. Ein weiteres Beispiel ist Venezuela, wo laut Untersuchungen vor allem die ärmeren Bevölkerungsschichten unter den Maßnahmen leiden.

Die Forscher verweisen zudem auf einen deutlichen Anstieg solcher Sanktionsinstrumente: Wurden in den neunziger und Nuller Jahren im Schnitt etwa 30 Länder mit einseitigen Zwangsmaßnahmen belegt, stieg diese Zahl im aktuellen Jahrzehnt auf rund 60 – überwiegend Staaten des sogenannten Globalen Südens. Ziel sei es, den Zugang zu internationalen Finanzmitteln und Handelsmöglichkeiten zu beschneiden, wirtschaftliche Instabilität zu erzeugen und politische Krisen zu verschärfen, um letztlich staatliche Strukturen unter Druck zu setzen. Dieses außenpolitische Instrument diene dazu, Regierungen zu disziplinieren, die sich von westlicher Dominanz lösen und einen souveränen politischen Kurs einschlagen wollen.