Quito. Ecuadors ehemaliger Vizepräsident Jorge Glas soll unter unmenschlichen Bedingungen im Gefängnis leiden. Zu diesem Ergebnis kommt seine Anwältin Sonia Vera. Glas wurde am 11. November 2025 aus dem Gefängnis La Roca in Guayaquil in die neue Hochsicherheitshaftanstalt El Encuentro in Santa Elena, westlich von Guayaquil, verlegt. Er ist einer der ersten 300 "gefährlichsten Straftäter", die dort einsitzen, wie Präsident Daniel Noboa mitteilte. Auf X postete Noboa Bilder von Glas mit den Worten: "Willkommen im neuen Zuhause. Bald folgen weitere Kriminelle."
Vera berichtet ebenfalls auf X von ihrer Unterhaltung mit Glas in der neuen Anstalt: "Was er erlebt, ist keine Inhaftierung, es ist ein Szenario des beschleunigten Verfalls, unvereinbar mit dem Leben und mit jedem Mindestmaß an Menschlichkeit." Er sei sehr geschwächt und verzweifelt gewesen. Er verbringe 24 Stunden am Tag in seiner Zelle und müsse auf einer in Plastik verpackten Matratze schlafen. Bettlaken, Kopfkissen oder Handtücher seien nicht vorhanden. Auch verfüge das noch nicht fertig gebaute Gefängnis weder über eine Krankenstation noch medizinisches Personal. Selbst an Trinkwasser mangele es. Glas befinde sich in unmittelbarer Lebensgefahr und müsse dringend in ein Krankenhaus eingeliefert werden, so seine Anwältin.
Es ist das inzwischen vierte Gefängnis, in dem der ehemalige Vizepräsident (2013–2018) von Rafael Correa und Lenín Moreno seit seiner ersten Verhaftung im Jahr 2017 einsitzt. Bereits in La Roca sollen die Haftbedingungen unmenschliche Züge gehabt haben. Vor diesem Hintergrund ordnete der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte (IACHR) Anfang November vorläufige Maßnahmen zum Schutz von Glas an. Es bestehe ein "gewisses Risiko eines nicht wiedergutzumachenden Schadens".
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Das Gericht wies die ecuadorianische Regierung unter anderem an, eine ständige medizinische, psychologische und psychiatrische Betreuung zu gewährleisten und die Besuche von Familienangehörigen, Anwälten und Ärzten seines Vertrauens zuzulassen. Wenige Tage nach der Entscheidung folgte die Verlegung nach El Encuentro. Für Vera bedeutet dies "die vorsätzliche Nichteinhaltung einer internationalen Entscheidung".
In einem Interview mit dem Sender Teleamazonas bestritt Innenminister John Reimberg, dass das Leben von Glas in Gefahr sei. "Ich weiß nicht, ob sie dachten, sie kämen in ein Erholungszentrum. […] Es ist kein Ferienlager, es ist ein Hochsicherheitsgefängnis", sagte der Minister. Er fügte hinzu, dass "wir zu keinem Zeitpunkt gegen die Auflagen [des IACHR] verstoßen werden". Glas habe auch Zugang zu medizinischer Versorgung und sei bereits viermal behandelt worden.
Jorge Glas wurde zuletzt Anfang Juli wegen Korruption zu 13 Jahren Haft verurteilt. Kritiker sehen ihn als Opfer politischer Verfolgung (amerika21 berichtete). Er sitzt seit April 2024 wieder in Haft, nachdem die ecuadorianische Regierung die mexikanische Botschaft gewaltsam gestürmt hatte, in der Glas zuvor politisches Asyl erhalten hatte (amerika21 berichtete).


