Asunción. Am 1. November hat das paraguayische Netzwerk der Hüter:innen einheimischer und kreolischer Samen (Red de Guardianes de Semillas) auf dem Platz der Demokratie in der Hauptstadt Asunción eine öffentliche agrarökologische Messe veranstaltet. Dabei wurden Landwirtschafts- und Saatgutproduktionen verschiedener bäuerlicher und indigener Gemeinschaften präsentiert und Informationen ausgetauscht.
Veranstalter war das "Netzwerk der Saatgutbewahrer:innen" in Paraguay, ein Netzwerk von Kleinbäuer:innen und indigenen Produzent:innen, die sich für die Erhaltung, Wiedergewinnung und Förderung der Verwendung von einheimischem und kreolischem Saatgut einsetzen. Diese Bewegung will angesichts der Ausbreitung der industriellen Landwirtschaft die Ernährungssicherheit, die Ernährungssouveränität und die landwirtschaftliche Biodiversität gewährleisten und organisiert dazu Veranstaltungen wie die Gran Feria de Semillas Nativas y Criollas (Große Messe für einheimisches und kreolisches Saatgut).
Während der Veranstaltung boten Produzent:innen eine große Auswahl an Grundnahrungsmitteln zum Verkauf an, darunter Käse, Milch, Eier, Fleisch, verschiedene Bohnensorten, Maismehl, Mais, Kräuter und Gemüse. Außerdem stellten sie ihren vielseitigen Saatgutbestand vor, der mit viel Mühe und Engagement gepflegt wird. Workshops, Vorträge und kulturelle Veranstaltungen befassten sich mit der Bedeutung von Saatgut, seiner Rückgewinnung und Vermehrung im Rahmen der agroökologischen Produktion, um eine gesunde Ernährung sowie den Schutz des Planeten zu gewährleisten. Die Agrarökologie hilft bei der Bewältigung der Klimakrise und komme ohne Pestizide und Giftrückstände in Lebensmitteln aus.
Die agrarökologische Saatgutmesse in Asunción ermöglichte eine strategische Allianz zwischen bäuerlichen und indigenen Gemeinschaften, die aufgrund des Mangels an Betriebsmitteln sowie an fachlicher Ausbildung und Unterstützung mit einer Produktionskrise und Vermarktungsschwierigkeiten in ihren Gemeinden konfrontiert sind.
Die Anwesenheit von Saatgut-Hüter:innen in Asunción sollte zudem die Bedrohung sichtbar machen, der die Produzent:innen durch die immer akuter werdende Verdrängung einheimischer und kreolischer Saatgutsorten ausgesetzt sind, da die dominierenden internationalen Saatgutkonzerne ihr hochgezüchtetes industrielles, patentiertes Saatgut vermarkten. Dies ist zum Teil gentechnisch verändert und wird intensiv mit teurem Kunstdünger und hochgiftigen Pestiziden kombiniert. Es gibt bislang in Paraguay keine öffentlichen Maßnahmen zur Unterstützung der Rettung, Erhaltung und des Schutzes einheimischer und kreolischer Sorten.
Derzeit werden zwischen 50 und 90 Prozent der pflanzlichen Lebensmittel importiert, die in Paraguay konsumiert werden. Trotz der großen Schwierigkeiten, mit denen die Produzent:innen auf dem Land zu kämpfen haben, ermöglicht ihre Beharrlichkeit die Erhaltung einheimischer und traditioneller Saatgutsorten. Damit soll die Esskultur aufrechterhalten und Zugang zu frischen und nahrhaften Lebensmitteln zu erschwinglichen Preisen erhalten bleiben.
Die Saatgutmesse wurde im September vom Senat zu einem "Ereignis von nationalem Interesse" erklärt. Das Oberhaus hat die Regierung aufgefordert, über die für die landwirtschaftliche Produktion zuständigen Institutionen öffentliche Maßnahmen zu ergreifen und Mittel für die Förderung und Stärkung der bäuerlichen und indigenen Familienlandwirtschaft bereitzustellen. Grund dafür sei die Bedeutung dieser für die Nahrungsmittelproduktion, den Umweltschutz, die Abschwächung der Auswirkungen des Klimawandels und die Erhaltung der Kultur und Traditionen der paraguayischen Bevölkerung.
Der Senatsausschuss für Wirtschaft, Entwicklung und lateinamerikanische Wirtschaftsintegration hat überdies mit einstimmigem Beschluss den 28. November zum "Nationalen Tag des paraguayischen Saatguts" erklärt. Der ursprünglich aus dem Parlament stammende Beschlussvorschlag zielt darauf ab, die Bemühungen der paraguayischen Saatgutproduzent:innen bei der Entwicklung hochwertiger Sorten anzuerkennen, die zur Produktivität, Wettbewerbs- und Widerstandsfähigkeit der nationalen Landwirtschaft beitragen.


