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Kolumbien erreicht historischen Meilenstein bei gerechter Landverteilung

Die Landbehörde ANT formalisiert und vergibt Agrarland. Bekanntgabe am Internationalen Tag der Landfrauen. Maßnahme ist Teil des Entwicklungsplans der Regierung

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Landfrauen aus ganz Kolumbien nehmen ihre neuen Grundstücke in Besitz – unterstützt durch die ANT und die Regierung unter Präsident Gustavo Petro
Landfrauen aus ganz Kolumbien nehmen ihre neuen Grundstücke in Besitz – unterstützt durch die ANT und die Regierung unter Präsident Gustavo Petro

Bogotá. Die Regierung des kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro hat einen bedeutenden Fortschritt in der Agrargerechtigkeit erzielt: Mehr als 112.000 Hektar Land sind formal und rechtlich an bäuerliche Frauen im ganzen Land übertragen worden. Die Maßnahme, die von der Agencia Nacional de Tierras (ANT) vorangetrieben wurde, wurde anlässlich des Internationalen Tags der Landfrauen bekanntgegeben und ist Teil des Sonderprogramms zur Landvergabe an ländliche, bäuerliche und fischereiwirtschaftlich tätige Frauen, das im Nationalen Entwicklungsplan 2022–2026 verankert ist.

Nach Angaben der ANT unter der Leitung von Juan Felipe Harman Ortiz wurden 104.519 Hektar auf den Namen von Frauen formalisiert und weitere 7.639 Hektar vergeben – viermal mehr als die Gesamtzahl unter den vorherigen Regierungen. Allein am 15. Oktober, dem Tag der Landfrauen, erhielten 215 Frauen aus Ciénaga de Oro, Montería und Planeta Rica (Córdoba) Eigentumstitel über 1.600 Hektar Land. "Heute sind wir gestärkt und haben alles, um das Land zu bearbeiten. Wir sind mutige Frauen, die unsere Familien voranbringen", sagte Yole Cabrera Mendoza, eine der Begünstigten gegenüber den Medien.

Harman betonte, dass dieser Prozess "einen Wendepunkt in der Agrargeschichte des Landes" darstelle und eine affirmative Maßnahme des Staates sei, um den direkten, formellen und vorrangigen Zugang von Frauen zu Land sicherzustellen – sei es individuell, kollektiv oder assoziativ. Er fügte hinzu, dass die Regierung öffentliches Land zurückgewinne, das unrechtmäßig angeeignet worden sei. Private Ländereien werden zu Marktpreisen erworben, es fänden keine Enteignungen statt. "Wir gewinnen staatliches Land zurück, das usurpiert wurde. Heute kehrt es in bäuerliche Hände zurück – in die Hände von Landfrauen", erklärte er.

Offiziellen Zahlen zufolge übertrifft der Fortschritt der aktuellen Regierung die Ergebnisse der zwei vorangegangenen: Unter Iván Duque wurden 997 Hektar an Landfrauen tituliert, unter Juan Manuel Santos 800 Hektar. Im Gegensatz dazu umfasst der laufende Prozess der Formalisierung mehr als 11.000 Eigentumstitel auf den Namen von Frauen, die in 26 Unterausschüssen für ländliche Frauen in acht Departamentos vertreten sind, darunter Antioquia, Arauca, Cundinamarca und Guaviare. Diese Strukturen stärken ihre Beteiligung an Entscheidungen über Landnutzung und Verwaltung.

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Dieser Fortschritt ist Teil einer umfassenden Agrarreform, die laut der Landwirtschaftsministerin Martha Carvajalino Villegas darauf abzielt, "jene anzuerkennen, die 80 Prozent der Lebensmittel für die Städte produzieren, und das Bauerntum ins Zentrum der Produktion zu stellen." Die Ministerin hob hervor, dass über 700.000 Hektar in den Nationalen Landfonds eingebracht wurden, von denen 300.000 Hektar bereits an Bauern und ethnische Gemeinschaften übergeben wurden. Zudem seien Fortschritte bei der Wiedergewinnung einheimischer und lokaler Saatgutsorten sowie bei der Umsetzung der nationalen Ökologiepolitik in der Landwirtschaft erzielt worden, die in Konsultation mit bäuerlichen, indigenen und afrokolumbianischen Gemeinschaften entwickelt wurden.

Darüber hinaus hat die Regierung die Einrichtung von bäuerlichen Agroalimentarischen Territorien (Tecam) durch das Dekret 780/2024 gefördert, um die ländliche Produktion zu schützen und nachhaltige Agrarsysteme zu stärken. Derzeit bestehen 14 bäuerliche Schutzzonen, fünf neue Tecam befinden sich im Genehmigungsverfahren, insgesamt über 700.000 Hektar unter Schutz.

Für Ministerin Carvajalino stellen die Fortschritte in der Landumverteilung einen entscheidenden Schritt dar, um historische Ungleichheiten zu überwinden und die ländliche Gewalt zu verringern. "Die Regionen mit der größten Gewalt sind jene, in denen das Land am stärksten konzentriert ist und mächtige politische Interessen den Status quo wahren wollen", sagte sie. In diesem Zusammenhang unterzeichnete die Regierung 2025 den Pakt für Land und Leben gemeinsam mit bäuerlichen, indigenen und afrokolumbianischen Organisationen. Dieser sieht einen zehnjährigen Plan für die Agrarreform vor, um die dauerhafte Präsenz der ländlichen Gemeinschaften in ihren Territorien zu sichern.