Medellín. Ein Gericht im Departamento Antioquia hat ein Urteil von historischer Tragweite gefällt: Sieben ehemalige Führungskräfte des US-amerikanischen Bananenkonzerns Chiquita Brands wurden wegen konspirativer Unterstützung paramilitärischer Gruppen verurteilt worden. Jeder der Angeklagten erhielt eine Freiheitsstrafe von elf Jahren und drei Monaten sowie eine Geldstrafe von rund 13,9 Milliarden kolumbianischen Pesos (etwa drei Millionen US-Dollar).
Die Verurteilten leisteten zwischen 1997 und 2004 über die damalige Chiquita-Tochter Banadex mehr als 100 Zahlungen an das paramilitärische Bloque Bananero der Autodefensas Unidas de Colombia (AUC). Als zentrale Verbindungsperson gilt Raúl Hasbún alias Pedro Bonito.
Die Staatsanwaltschaft konnte nachweisen, dass die Zahlungen nicht unter Zwang, sondern in Kenntnis der paramilitärischen Strukturen erfolgten. Das Gericht wies die Argumentation der Verteidigung, man habe sich unter extremer Bedrohung befunden, zurück. Stattdessen sei deutlich, dass die Zahlungen systematisch und geplant waren.
Ob die US-Firma gegen das erstinstanzliche Urteil vom 23. Juli 2025 Berufung einlegen will, ist bisher nicht bekannt. Das kolumbianische Gericht ist Teil des Gerechtigkeit-und-Frieden-Systems, das 2005 geschaffen wurde, um paramilitärische Verbrechen strafrechtlich zu verfolgen und gleichzeitig Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für die Opfer zu ermöglichen. Es befasst sich auch mit Unternehmen, die von der Gewalt profitierten oder diese indirekt unterstützten.
Bereits 2007 hatte Chiquita in den USA eingestanden, die AUC mit insgesamt 1,7 Millionen US-Dollar finanziert zu haben. Das Unternehmen begründete die Kollaboration mit illegalen bewaffneten Gruppen mit "Sicherheitsgründen". Ein US-Gericht verhängte damals eine Strafe von 25 Millionen US-Dollar. Im Jahr 2024 bestätigte ein US-Gericht zudem eine Entschädigung in Höhe von 38,3 Millionen US-Dollar zugunsten der Hinterbliebenen von durch die AUC ermordeten Personen.
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Die AUC waren in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren für Massaker, systematische Vertreibungen und die Ermordung von Gewerkschafter:innen verantwortlich. Menschenrechtsorganisationen werfen Chiquita und anderen Unternehmen vor, von der Gewalt profitiert zu haben. Die "Sicherheitszahlungen" dienten der Unterdrückung von Arbeiter:innenprotesten und der Kontrolle über die Region.
Opferverbände betonen, dass hinter diesen Zahlungen nicht nur Schutzgelder standen, sondern auch ein System von Komplizenschaft, das die Macht der Paramilitärs stabilisierte. "Es ist ein historisches Urteil, weil es zeigt, dass multinationale Unternehmen für ihre Rolle im bewaffneten Konflikt Verantwortung tragen müssen", erklärte eine Sprecherin der Opferorganisation Fundación Forjando Futuros.
Arbeitsminister Antonio Eresmid Sanguino Páez nannte das Urteil "exemplarisch" und lobte die Entscheidung als Signal gegen die Verflechtung von Wirtschaft und Gewalt: "Die Botschaft ist klar: Kein Unternehmen steht über dem Gesetz." Opferfamilien hoffen nun auf weitere juristische Schritte, um die vollständige Wahrheit über die Verbindungen zwischen der Bananenindustrie und den Paramilitärs ans Licht zu bringen.
Parallel laufen Verfahren gegen weitere Unternehmen wie Banacol und deren ehemalige Manager:innen, die ebenfalls im Verdacht stehen, Zahlungen an paramilitärische Strukturen geleistet zu haben.
Die Bananenregionen sind historisch von schwerer Gewalt geprägt. Das erste Masacre de las Bananeras in Ciénaga im Dezember 1928 fand in Plantagen der United Fruit Company (heute Chiquita Brands) statt. Das Militär tötete bei einem Streik zwischen 50 und bis zu 1.000 Menschen; einige Berichte sprechen sogar von mehreren tausend Opfern. Am 4. März 1988 ermordeten Paramilitärs in der Region Urabá zwanzig Gewerkschafter:innen auf zwei Bananenfarmen. Nach späteren Ermittlungen agierten die Täter:innen in enger Zusammenarbeit mit staatlichen Militäreinheiten und lokalen Viehzüchter:innen. In derselben Region erschossen Paramilitärs 1995 mindestens 23 Arbeiter:innen einer Plantage. Wenige Wochen später wurden erneut über 24 Menschen getötet, als ein Bus mit Plantagenarbeiter:innen gestoppt, die Insass:innen gefesselt und anschließend exekutiert wurden.

