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Kolumbien: Regierung und ELN möchten Teilnahme der USA am Friedensdialog

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Von links nach rechts: Aureliano Carbonell (ELN), Pablo Beltrán (ELN), Gustavo Martínez (ELN), Danilo Rueda (Hohe Kommissar für den Frieden), Otty Patiño (Leiter der Friedensdelegation der Regierung)
Von links nach rechts: Aureliano Carbonell (ELN), Pablo Beltrán (ELN), Gustavo Martínez (ELN), Danilo Rueda (Hohe Kommissar für den Frieden), Otty Patiño (Leiter der Friedensdelegation der Regierung)

Bogotá/Caracas. Die Friedensdelegationen der Regierung von Gustavo Petro und der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) wollen die USA zur Teilnahme an den Friedensgesprächen einladen. Dies teilten sie nur vier Tage nach dem Start der Verhandlungen in Venezuelas Hauptstadt Caracas mit.

In einem ersten Schritt soll hierfür auf diplomatischem Weg die Bereitschaft der US-Regierung ermittelt werden, sich mit einem Sonderbeauftragten an den Dialogen zu beteiligen.

Bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Eröffnungszeremonie der Friedensgespräche hatte der ELN-Kommandant Israel Ramírez Pineda, alias "Pablo Beltrán", die Rolle der USA bei vergangenen Verhandlungen als "unheilvoll" bezeichnet. Laut dem Guerilla-Sprecher lehnen mehrere US-Sicherheitsbehörden und Nachrichtendienste den Friedensprozess mit der Farc-Guerilla ab.

Beltrán warf den US-Regierungen vor, seit Jahrzehnten eine Sicherheitsdoktrin auf dem amerikanischen Kontinent zu vertreten, die "jeden, der für Veränderungen kämpft, als inneren Feind betrachtet". Die USA stünden deshalb in der Schuld Kolumbiens.

"Sie sehen, dass die USA im Moment nicht hier sind", sagte Beltrán den Journalist:innen und fügte hinzu: "Wir hoffen aber, dass sie das Ganze hier nachverfolgen und eine proaktive und unterstützende Haltung zeigen".

Die ELN habe seit Petros Amtsantritt beobachtet, wie eine US-Delegation nach der anderen "praktisch einmal pro Woche Bogotá besucht". "Wir hoffen, dass dadurch eine Wende in der US-Politik gegenüber Kolumbien entsteht, denn es gibt große Probleme zu lösen", unterstrich der ELN-Friedensdelegierte.

Konkret nannte er die Mitgliedschaft Kolumbiens in der Nato. Es sei nicht förderlich für das Land, im Atlantischen Bündnis zu sein, versicherte Beltrán. Ebenso kritisierte er die "gescheiterte" US-Drogenpolitik. Als einer der Hauptabsatzmärkte für Kokain müssten die USA zusammen mit Kolumbien eine alternative Lösung finden.

Ein weiterer Beschluss des Treffens umfasst die Länder, die als Garanten im Friedensprozess fungieren. Während Kuba, Norwegen und Venezuela in ihrer Funktion bestätigt wurden, sollen außerdem Brasilien, Chile und Mexiko dazu eingeladen werden. Mexiko hat indes bereits akzeptiert.

Darüber hinaus hoffen die Dialogpartner darauf, Deutschland, Schweden, die Schweiz und Spanien als Begleitung des Friedensprozesses gewinnen zu können.

Ebenso wurden baldige "humanitäre Erleichterungen" in den Konfliktzonen verkündet, die durch die UN-Verifizierungsmission und die Katholischen Kirche überprüft werden sollen.

Der Hochkommissar für den Frieden, Danilo Rueda, ernannte seinerseits vier weitere Mitglieder für die Friedensdelegation der Regierung. Mit der Berufung der prominenten Journalistin María Jimena Duzán, der Verteidigerin indigener und afrokolumbianischer Rechte Nigeria Rentería, der presbyterianische Pastorin Adelaida Jiménez und der Politologin und Journalistin Mábel Lara sind nun zu gleichen Teilen weibliche wie männliche Delegierte bei den Gesprächen dabei.

Rueda kam damit der Forderung von Kulturministerin Patricia Ariza nach, die diese anlässlich des sechsten Jahrestages des Friedensabkommens mit den Farc am 24. November geäußert hatte.

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