Kuba / Soziales

Kuba: Großbrand in Matanzas unter Kontrolle

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Löscharbeiten auf dem Gelände des Treibstofflagers
Löscharbeiten auf dem Gelände des Treibstofflagers

Matanzas/Havanna. Rund eine Woche nach dem Ausbruch eines Feuers im größten Treibstofflager des Landes in der Hafenstadt Matanzas haben Feuerwehrleute aus Kuba, Mexiko und Venezuela den Kampf gegen die Flammen gewonnen. Vier der acht Tanks des Lagers hatten Feuer gefangen. Die Ausbreitung der Brände konnte am Dienstag gestoppt werden.

Wie die Parteisekretärin der Provinz, Susely Morfa González, am Mittwochmorgen erklärte, ist die Lage am Brandherd unter Kontrolle. "Während wir uns bisher auf Defensivaktionen beschränken mussten, können wir jetzt in die Offensive gehen", sagte ein Sprecher der Feuerwehr.

Als weitere Unterstützung sind am Dienstag zwei Feuerwehrschiffe aus Mexiko eingetroffen, die den Brand vom Wasser aus bekämpfen. Spezialisten errichteten Barrieren, um auslaufendes Öl einzudämmen.

Bislang wurde die Leiche eines Feuerwehrmannes geborgen, ein weiterer erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. 14 Personen werden vermisst. Die Suche nach den Toten kann erst nach dem vollständigen Abklingen der Brände begonnen werden. Laut den Gesundheitsbehörden wurden insgesamt 130 Personen verletzt, von denen sich zuletzt noch 23 in klinischer Behandlung befanden.

Die größte Herausforderung stellt aktuell die Stromversorgung dar. Der Brand kam inmitten der schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten (amerika21 berichtete). In Folge des Ereignisses könnten bis zu einer Millionen Barrel Brennstoff vernichtet worden sein, was in etwa dem landesweiten Importbedarf eines halben Monats entspricht. Das leistungsfähigste Kraftwerk des Landes, die nur wenige Kilometer entfernte "Central Termoeléctrica Antonio Guiteras", musste zeitweise wegen zur Neige gehender Brennstoffreserven und Problemen mit der Wasserversorgung heruntergefahren werden.

Anfang vergangener Woche lag das Erzeugungsdefizit bei rund 41 Prozent oder 1.200 Megawatt. In weiten Teilen Havannas wurde deshalb der Strom für rund fünf Stunden abgeschalten, in anderen Provinzen waren die Beeinträchtigungen noch stärker.

Die Beschädigung der größten Tankbasis des Landes stellt einen schweren Schlag für Kubas Energielogistik dar. Nur in Matanzas können Tanker mit einer Kapazität von 100.000 Tonnen gelöscht werden. Zudem ist das Lager der wichtigste Misch- und Umschlagplatz, von dem aus zahlreiche Kraftwerke und Raffinerien versorgt werden.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf lokale Quellen berichtet, wird die Insel in Folge des Unglücks für absehbare Zeit auf schwimmende Betankung zurückgreifen müssen, was Aufwand und Kosten für Importe in die Höhe treibt. Laut Ansicht von Energieexperten ist eine Lockerung der US-Sanktionen in Bezug auf Treibstofflieferungen dringend erforderlich.

Von Russland soll kommende Woche ein Schiff mit 700.000 Barrel Schweröl nach Matanzas aufbrechen. Damit wäre ein großer Teil der unmittelbaren Verluste ausgeglichen.

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