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Kolumbien: Veteranen und Reservisten rufen zu Ungehorsam gegen Gustavo Petro auf

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Ein Ex-Guerillero als Oberbefehlshaber der Streitkräfte sei für Teile des Militärs, laut eigener Aussage, die größte Niederlage in der Geschichte des kolumbianischen Militärs
Ein Ex-Guerillero als Oberbefehlshaber der Streitkräfte sei für Teile des Militärs, laut eigener Aussage, die größte Niederlage in der Geschichte des kolumbianischen Militärs

Bogotá. Ein Mitarbeiter des kolumbianischen Verteidigungsministeriums hat vor der Gefahr eines Aufstands der Streitkräfte gegen den gewählten Präsidenten Gustavo Petro gewarnt. Jorge Iván Reyes, Anwalt und seit 22 Jahren Mitarbeiter der Rechtsabteilung des Verteidigungsministeriums, berichtete, dass Militärs im Ruhestand aktive Militärangehörige dazu anstiften würden, Petro nicht als obersten Kommandanten der Streitkräfte anzuerkennen. Dies enthüllte die Online Nachrichtensendung Noticias Uno.

Organisationen von Veteranen und Reservisten würden auf die aktiven Offiziere Druck ausüben, damit diese mithilfe von Klagen und Verfassungsbeschwerden eine Kampagne gegen den Amtsantritt von Petro organisieren.

Sie sollen die Sicherheitskräfte außerdem dazu anstiften, dem neuen Präsidenten bei der Zeremonie zu seiner Amtseinführung am 7. August den traditionellen Willkommensgruß zu verweigern. Einen Ex-Guerillero als Oberbefehlshaber der Streitkräfte zu akzeptieren, würde Reyes zufolge für sie die größte Niederlage des Militärs in der Geschichte bedeuten.

Reyes selbst sei zu einem Treffen mit den Reservisten eingeladen worden. Der Rechtsanwalt habe aber darauf verzichtet, sobald er erfahren habe, dass die Veteranen dort aktive Offiziere und Unteroffiziere zur Gehorsamsverweigerung anstacheln wollen. An solchen Treffen würden mindestens 50 Personen teilnehmen, so Reyes.

Der Whistleblower unterstützt das siegreiche progressive Bündnis Pacto Histórico. Er verkündete, er würde wegen der Aktionen der Reserveorganisationen Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft erstatten und sei selbst Opfer von Drohungen geworden. Die Namen der hochrangigen Offiziere der Reserve, die innerhalb des Militärs die Kampagne gegen Petro führen, seien prominent, Reyes wolle sie aber aufgrund von Ermittlungen noch nicht der Öffentlichkeit preisgeben.

Vor dem ersten Wahlgang hatte der Oberbefehlshaber der Armee, General Eduardo Enrique Zapateiro, Petro als Kandidat in einem Tweet angegriffen (amerika21 berichtete). Die Attacke schlug in Kolumbien hohe Wellen, da sich die Angehörigen der Streitkräfte laut Gesetz nicht an Wahldebatten beteiligen dürfen.

Daraufhin berichtete die regierungsnahe Zeitschrift Semana über die mutmaßlich verbreitete Unzufriedenheit der Truppe angesichts eines möglichen Siegs von Petro. Mehrere Offiziere äußerten eine ganz klare Feindseligkeit gegenüber dem linken Politiker. "Wenn dieser Schuft die Wahlen gewinnt", sagte einer gegenüber Semana, "werde ich am folgenden Tag aus Ehre und Würde zurücktreten". Nun hat General Zapateiro am Dienstag verkündet, dass er am 20 Juli zurücktreten wird.

Petro seinerseits verkündete noch vor seinem Wahlsieg, für bessere Lebensbedingungen der Unteroffiziere, Polizist:innen und Soldat:innen sorgen zu wollen. Das hieße mehr Bildungsgerechtigkeit und eine bessere Krankenversicherung, Zugang zur Hochschulen und vor allem die Möglichkeit wegen Verdiensten und nicht wegen Kontakten in der militärischen Hierarchie aufzusteigen. Der gewählte Präsident wolle außerdem die Korruption unter den Streitkräften, für die er die hochrangigen Militärs verantwortlich macht, bekämpfen.

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