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Als im Weißen Haus über die "Beseitigung" des Präsidenten von Venezuela beraten wurde

Buch von Ex-US-Verteidigungsminister Esper enthüllt Gespräche zwischen Trump und Guaidó über mögliche Militäroperationen im südamerikanischen Land

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Juan Guaidó im Weißen Haus, eine prestigeträchtige Aufnahme vom Februar 2020
Juan Guaidó im Weißen Haus, eine prestigeträchtige Aufnahme vom Februar 2020

Washington. Im Februar 2020 haben der venezolanische Oppositionspolitiker Juan Guaidó, seine engsten Mitarbeiter und der damalige Präsident der USA, Donald Trump, im Weißen Haus über "die Beseitigung" des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro beraten. Dies schildert der ehemalige US-Verteidigungsminister Mark Esper in seinem Buch "A Sacred Oath" (Ein heiliger Schwur).

Trump empfing Guaidó im Weißen Haus als "Interimspräsident" von Venezuela. Die US-Regierung lehnte seit Januar 2019 die Maduro-Regierung als "illegitim" ab.

Laut Esper, der bei den Gesprächen anwesend war, stellte Trump Guaidó, Julio Borges, Carlos Vecchio und Mauricio Claver-Carone die Frage, "was würde passieren, wenn das US-Militär käme und Maduro beseitigen würde?" Die Debatte habe sich um die Vor- und Nachteile eines Militäreinsatzes der USA oder der anderen Option gedreht, wonach Venezolaner selbst, durch US-Streitkräfte trainiert, eine militärische Operation durchführen sollten.

Guaidó soll auf die Sondierung Trumps geantwortet haben, dass "wir die Hilfe der USA natürlich immer begrüßen werden". Die Argumentation von Guaidó, Borges und Vecchio sei dahin gegangen, dass "es einfacher und schneller wäre, wenn die USA es für uns tun würden". Esper lässt in der Schilderung seine Vorbehalte gegen die tatsächlichen Fähigkeiten der venezolanischen Oppositionspolitiker durchblicken.

Beschlüsse oder eine eventuelle Umsetzung der Gesprächsergebnisse enthüllt Esper in seinem Buch nicht. Die Pläne könnten jedoch in die "Operation Gideon" eingegangen sein, bei der am 3. Mai 2020 zwei ehemalige Mitglieder der US-Spezialeinheiten fast 60 venezolanische Migranten aus Kolumbien anführten, die mit Booten an der Küste nahe La Guaira im Bundesstaat Vargas ins Land kamen, um Maduro gefangen zu nehmen oder zu töten. Das Unternehmen scheiterte und die angelandeten Söldner wurden durch venezolanische Sicherheitskräfte teils getötet und teils festgenommen.

Der ehemalige US-Verteidigungsminister berichtet in seinem Buch auch von einem Treffen Anfang Juni 2020 mit dem Nationalen Sicherheitsberater des Weißen Hauses, Robert O'Brien, der einen Luft- oder Amphibienangriff auf den Raffineriekomplex José Antonio Anzoátegui in Venezuela vorgeschlagen haben soll. Die Lahmlegung der Ölwirtschaft des südamerikanischen Landes sollte Chaos und den Sturz Maduros bewirken und Guaidó zur Präsidentschaft verhelfen.

Dem venezolanischen Botschafter bei den Vereinten Nationen, Samuel Moncada, fielen bei der Lektüre von Espers Erinnerungen Parallelen zu späteren Ereignissen auf. "Die Ermordung von Präsident Maduro wurde im Weißen Haus in Anwesenheit von Guaidó, Borges und Vecchio diskutiert." Er betonte auch die Beteiligung von Mauricio Claver-Carone. "Ein Plan, der der Ermordung des Präsidenten von Haiti [Jovenel Moïse, am 6. Juli 2021] durch kolumbianische Söldner sehr ähnlich ist. In Venezuela ist er gescheitert", kommentierte Moncada in einem Twitter-Thread die Auszüge aus Espers Buch.

Juan Guaidó wird auch von der aktuellen US-Regierung unter Präsident Joe Biden weiter als "Interimspräsident" von Venezuela angesehen.

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