UNO besorgt über ansteigende Gewalt in Kolumbien

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"42 ermordete Führungspersonen und Menschenrechtsverteidiger im ersten Trimester 2021", im Vergleich zu 48 im Jahr 2022
"42 ermordete Führungspersonen und Menschenrechtsverteidiger im ersten Trimester 2021", im Vergleich zu 48 im Jahr 2022

Genf/New York/Arauca/Cauca/Putomayo. Der starke Anstieg an Gewalttaten und politischen Morden in Kolumbien in den ersten drei Monaten dieses Jahres beunruhigt zunehmend auch internationale Beobachter. Francesco Volpi, Direktor des norwegischen Flüchtlingsrates (NRC), rief sowohl Regierung als auch bewaffnete Gruppen dazu auf, sich an einen Tisch zu setzen, um die Gewalt zu beenden, der das kolumbianische Volk seit Jahrzehnten ausgesetzt ist.

Allein in den letzten zwei Monaten stieg die Zahl der Menschen, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, auf acht Millionen. 274.000 Menschen waren allein im Januar und Februar dieses Jahres unmittelbar von Gewalt betroffenen, so das Büro der UNO für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) in einem Sonderbericht zur humanitären Lage in Kolumbien im Jahr 2022.

Gegenüber der Duque-Regierung warnten die UNO-Sonderberichterstattung zur Lage von Menschenrechtsverteidigern sowie der Generaldirektor Antonio Guterres vor der zunehmenden Bedrohung afrokolumbianischer und indigener Gemeinden, Gewerkschaften und sozialer Führungspersonen. Guterres betonte auch die Unsicherheit, in der sich die zum Frieden bekennenden ehemaligen Mitglieder der Farc-EP befinden. Seit der Unterzeichnung des als historisch bezeichneten Friedensvertrages zwischen der ehemaligen Guerilla und dem kolumbianischen Staat sind 315 Ex-Guerilleros ermordet worden.

Die UNO befürchtet durch die steigende Gewalt langfristige Auswirkungen auf die zivilgesellschaftliche Arbeit in dem lateinamerikanischen Land. Der Bericht stützt sich unter anderem auf Beweise vom November letzten Jahres. Paramilitärische Gruppen verschickten damals Todesdrohungen an das nationale Streikkomitee, in denen seine Mitglieder zu militärischen Zielen erklärt wurden, und bezeichneten sie als Guerillakämpfer und als Milizionäre. Die kolumbianische Friedensorganisation Indepaz zählt allein in den ersten Monaten dieses Jahres 48 ermordete soziale Führungspersonen.

Laut dem UNO Bericht sind die Regionen Chocó, Putumayo und Arauca, in denen viele Afrokolumbianer und Indigene leben, besonders betroffen. Durch Kämpfe zwischen Dissidentengruppen der FARC und der nationalen Befreiungsarmee (ELN) wurden vor allem aus diesen Gebieten zwischen Januar und März 2021 über 13.000 Menschen gewaltsam vertrieben, darunter auch Menschen in der Grenzregion, die von Kolumbien nach Venezuela fliehen mussten. 

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