Peru / Politik

Zwei Linke in Peru mit Chancen auf die Präsidentschaft

Pedro Castillo tut sich neben Verónika Mendoza als zweiter aussichtsreicher Linkskandidat hervor

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Der vormalige Außenseiterkandidat Pedro Castillo punktet durch seinen Straßenwahlkampf
Der vormalige Außenseiterkandidat Pedro Castillo punktet durch seinen Straßenwahlkampf

Lima. Eine Woche vor den Präsidentschwaftswahlen in Peru ist laut jüngsten Umfragen noch alles offen. Sieben Kandidat:innen liegen nur wenige Prozentpunkte auseinander und haben demnach Chancen, in die Stichwahl einzuziehen. Unter ihnen befindet sich die progressive Kandidatin Verónika Mendoza (Juntos por el Perú/Gemeinsam für Peru, JP), aber auch der Sozialist Pedro Castillo (Perú Libre/Freies Peru, PL).

Je nach Umfrageinstitut lagen am Wochenende die Favorit:innen in verschiedenen Reihenfolgen mehr oder weniger gleichauf: Dazu gehören die Rechtskandidat:innen Keiko Fujimori (IEP: 9,8 Prozent/Ipsos: 9,3 Prozent), Hernando de Soto (9,8/11,5) und Rafael López Aliaga (8,4/6,8), die Mitte-rechts-Kandidaten Yonhy Lescano (8,2/14,7) und George Forsyth (5,7/11,9) sowie die Linken Mendoza (7,3/10,2) und Castillo (6,6/6,5).

Die Institute gaben eine mögliche Fehlerspanne von bis zu plusminus 2,8 Prozentpunkten an. Doch auch die drastischen Unterschiede zwischen den beiden Umfragen zeigen, dass die Wahl am 11. April noch längst nicht entschieden ist. Eins ist allerdings so gut wie sicher: Die Person, die an diesem Tag die relative Mehrheit der Stimmen erlangen wird, wird sich am 6. Juni einem zweiten Wahlgang gegen den oder die Zweitplatzierte:n stellen müssen.

Lange Zeit galt Verónika Mendoza als einzige Hoffnungsträgerin der Linken. Mendoza bewirbt sich bereits zum zweiten Mal auf das Amt des Staatsoberhaupts. 2016 verpasste sie nur knapp den Einzug in die Stichwahl. Die 40-Jährige war vor JP bereits in mehreren Linksbündnissen aktiv und repräsentierte als Kongressabgeordnete ab 2011 fünf Jahre lang ihre Heimatregion Cusco.

Die Franko-Peruanerin plant für den Fall eines Wahlsiegs ein umfassendes Konjunkturpaket mit sozialem Fokus, um das Land aus der coronabedingten Wirtschaftskrise zu führen. Peruanische Erdgasreserven sollen nach dem Vorbild Boliviens unter staatliche Kontrolle gebracht werden. Mendozas Programm sieht die Legalisierung von Abtreibung sowie einen verbesserten Zugang zu Verhütungsmitteln vor. Zudem möchte sie LGBT-Rechte stärken.

Außenpolitisch kritisiert sie das Kuba-Embargo und die Regime-Change-Strategie der sogenannten Lima-Gruppe gegenüber Venezuela. Nichtsdestotrotz bezeichnet sie die Regierung Nicolás Maduros als Diktatur. Aus dem Ausland erhält ihre Kandidatur Unterstützung von Boliviens Ex-Präsident Evo Morales.

Einen steilen Aufstieg in den Umfrageergebnissen erlebte der bisherige Außenseiterkandidat Pedro Castillo. Durch seinen kontinuierlichen Straßenwahlkampf im ländlichen Peru konnte der Landschullehrer viele für sich gewinnen. Castillo erlangte als eine der Führungsfiguren des nationalen Lehrer:innen-Streiks 2017 Bekanntheit (amerika21 berichtete). Der PL-Kandidat stammt aus der Ortschaft Chota in Cajamarca, dem ärmsten Departamento Perus, und bewirbt sich zum ersten Mal für ein politisches Amt.

Castillo fordert einen radikalen Wandel der peruanischen Wirtschaft: Natürliche Ressourcen, aber auch die privaten Renten- und Gesundheitssysteme sollen verstaatlicht werden. Beim Thema der Frauen- und LGBT-Rechte bleibt sein Programm hingegen weitgehend leer. Dem Parteiführer von PL, Vladimir Cerrón, wurden wiederholt Homophobie und Sexismus vorgeworfen. Er positioniert sich als strikter Gegner einer vermeintlichen "Gender-Ideologie". Sowohl diese Umstände als auch Korruptionsanschuldigungen gegen Cerrón und Unstimmigkeiten in Bezug auf die Haltung gegenüber Venezuela verhinderten 2019 ein geplantes progressives Bündnis mit der Mendoza-Linken.

Außenpolitisch fordert PL eine strikte Abkehr von den USA sowie ein "antiimperialistisches Lateinamerika". So sollen nach einem eventuellen Regierungsantritt unter anderem USAID und die Weltbank des Landes verwiesen werden.

Für seine linke Rivalin findet Castillo am Wochenende harsche Worte: Mendoza sei wie die anderen Kandidat:innen auch eine "Opportunistin", die nur im Wahlkampf auftrete, aber die sozialen Kämpfe nicht begleite. Sollte er Präsident werden, möchte Castillo auf sein offizielles Gehalt verzichten und weiter auf dem Niveau eines Landschullehrers entlohnt werden.

Beide wollen die Forderungen der November-Proteste nach einer neuen Verfassung und dem Ende des Systems aus Fujimori-Zeiten umsetzen.

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