Öl-Konzerne wollen Ende der US-Sanktionen gegen Venezuela

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Petropiar ist eins der Joint Ventures von PDVSA und Chevron. Dort wird Rohöl veredelt
Petropiar ist eins der Joint Ventures von PDVSA und Chevron. Dort wird Rohöl veredelt

Washington. Die Erdölkonzerne Chevron (USA) und Reliance Industries (Indien) drängen offenbar auf eine Rücknahme der US-Sanktionen gegen Venezuela. Wie das Medienunternehmen Bloomberg berichtet, haben Vertreter beider Firmen virtuelle Gespräche mit Funktionären des Außenministeriums geführt, um zu erreichen, dass einige der unter Donald Trump verhängten einseitigen Zwangsmaßnahmen rückgängig gemacht werden.

Nachdem die US-Regierung im Jahr 2017 Finanzsanktionen verfügt hatte, folgten mehrere Strafmaßnahmen gegen Venezuelas Ölindustrie. Dazu gehörten ein Embargo, sekundäre Sanktionen sowie die Aufnahme von Reedereien, Schiffen und anderen Unternehmen in eine "schwarze Liste", da sie mit der staatlichen venezolanischen Ölgesellschaft PDVSA Geschäfte machen.

Noch kurz vor den Wahlen in den USA nahm das Finanzministerium die Rohöl-für-Kraftstoff-Tauschgeschäfte ins Visier und drohte einer Reihe von multinationalen Konzernen mit Sanktionen, damit sie ihr Engagement im venezolanischen Ölsektor beenden.

Reliance, eines der betroffenen Unternehmen, soll nun Lobbyarbeit bei der neuen Regierung von Joe Biden betreiben, damit das Verbot von Swap-Geschäften aufgehoben wird. Der Konzern und andere indische Kunden waren bereit, nach dem US-Ölembargo im Januar 2019 als einer der Haupthandelspartner von PDVSA einzuspringen, aber sekundäre Sanktionsdrohungen aus dem Weißen Haus stoppten diese Pläne.

Venezuelas Erdölsektor, die Haupteinnahmequelle des Landes, erlebte unter der Last der US-Sanktionen einen Rückgang der Produktion auf historische Tiefstände. Die Rohölproduktion lag 2020 bei durchschnittlich 500.000 Barrel pro Tag, 2017 waren es 1,9 Millionen. Ein Neustart der Swap-Geschäfte könnte die Produktion ankurbeln und gleichzeitig die große Treibstoffknappheit des Landes lindern, sowohl bei Benzin als auch bei Diesel.

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Chevron ist Berichten zufolge auf "guten Willen" bei der neuen US-Regierung aus und bekräftigt sein Bestreben, in Venezuela zu arbeiten. Für das Unternehmen gilt derzeit ein "Sanktionserlass", der im Juni ausläuft. Es ist an vier Joint Ventures mit PDVSA beteiligt.

Die Biden-Administration hat indes signalisiert, dass sie an der Venezuela-Politik von Trump festhalten will. Außenminister Antony Blinken erklärte bereits Washingtons Unterstützung für den selbsternannten "Interimspräsidenten" Juan Guaidó, während er zugleich die Sanktionen "effektiver" gestalten wolle.

Die Regierung von Nicolás Maduro hat ihrerseits die US-Regierung zu verbesserten Beziehungen auf der Basis gegenseitigen Respekts aufgerufen.

Caracas hatte die Sanktionen vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag als Verbrechen gegen die Menschheit angezeigt.

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