Brasilien / Soziales

Proteste in Brasilien nach Mord an schwarzem Familienvater durch Militärpolizei

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Wandbild in Erinnerung an den am Montag ermordeten Marcelo Guimarães
Wandbild in Erinnerung an den am Montag ermordeten Marcelo Guimarães

Rio de Janeiro. In Brasilien ist es nach einem weiteren Mord an einem Schwarzen durch Militärpolizisten erneut zu Protesten gekommen. Marcelo Guimarães, ein 38-jähriger Familienvater, war am vergangenen Montag von der Militärpolizei im Favelagebiet Cidade de Deus in Rio de Janeiro erschossen worden. Daraufhin sperrten Anwohner:innen aus Protest eine zentrale, angrenzende Schnellstraße.

Teile der Linha Amarela (Gelben Linie) blieben für etwa 25 Minuten gesperrt, als die Demonstrierenden Holzstücke und Möbel auf die Straße legten. Die Anwohner:innen bildeten eine Kette in der Mitte der Strecke und versuchten, einen Polizeiwagen an der Einfahrt zu hindern. Erst nach einem Dialog zwischen Polizei und Demonstrierenden entschlossen sich Letztere, die Barrikaden zu entfernen und die Straße für den Verkehr wieder freizugeben.

Marcelo Guimarães war auf seinem Motorrad gefahren, als die Militärpolizei ihn erschoss. Diese gab an, von Kriminellen angegriffen worden zu sein und sich mit ihnen in einem Schusswechseln befunden zu haben. Anwohner:innen der Cidade de Deus bestritten dies und sagten aus, nur einen einzelnen Schuss gehört zu haben. Eine Mordkommission wurde inzwischen zu dem Fall hinzugezogen.

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Guimarães hinterlässt seine Ehefrau und zwei Kinder im Alter von 19 und fünf Jahren. Er hatte gerade seinen jüngeren Sohn zur Kindertagesstätte gebracht und sich auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle befunden, als die Polizei ihn erschoss.

Der Tod eines weiteren Schwarzen Mannes, der Opfer von brasilianischer Polizeigewalt wurde, hallte auch in sozialen Netzwerken nach. Der Hashtag #JustiçaparaMarcelo (Gerechtigkeit für Marcelo) verbreitete sich rasend schnell. So twitterte auch Guimarães’ 19-jährige Tochter: "Sie haben dich getötet, Vater, auf grausame Weise. Du warst ein Arbeiter, du bist zur Arbeit gegangen und sie haben dich getötet".

Bereits im November war es zu landesweiten Protesten gekommen, nachdem Wachmänner eines Sicherheitsdienst João Alberto Silveira Freitas brutal niedergeschlagen und so getötet hatten.

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