Kokain ist Bedrohung für den Frieden in Kolumbien

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Die Dorfgemeinschaft im Departmento Meta wird immer wieder vom Militär bedroht
Die Dorfgemeinschaft im Departmento Meta wird immer wieder vom Militär bedroht

Bogotá. Der Krieg um den Drogenhandel ist eine der größten Bedrohungen für den Frieden in Kolumbien. Laut dem Risikobericht der Ombudstelle für Menschenrechte sind die Anbaugebiete für die Zivilbevölkerung die gefährlichsten Regionen des Landes.

Dies zeigt sich auch am Guayabero-Fluss im Departamento Meta. Dort gerät die Zivilbevölkerung immer wieder in die Schusslinie einerseits des Militärs, das Kokapflanzen vernichten will, und andererseits der neuen, bewaffneten Drogenbanden, die sie zum Anbau zwingen.

Hunderte Kleinbäuer:innen verließen in den letzten Wochen ihre Dörfer in Richtung Bogotá, um dort zu demonstrieren. Das Militär führt in ihren Gemeinden massenhafte Vertreibungen durch. Doch weder der Verteidigungsminister noch die Armee haben bisher auf ihre Anliegen reagiert.

Sprecher:innen der Gemeinden prangern an, dass sie seit Mai von der Armee angegriffen werden. Bei den Auseinandersetzungen geht es um die obligatorische Vernichtung von Koka-, Marihuana- und Mohnpflanzen. Die Bäuer:innen haben längst ihre Bereitschaft bekundet, die illegalen Pflanzungen zu vernichten und durch Alternativen zu ersetzen. Jedoch seien ihnen bisher keine Alternativen ermöglicht worden. Vor allem unter Covid-19-Bedingungen und den Quarantänevorschriften sei eine Umorganisierung der Anbauflächen erschwert. Zudem seien Journalist:innen angegriffen worden, die kritisch über Einsätze des Militärs in den Dörfern berichteten.

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Bereits im Juni dieses Jahres hatten Soldaten auf Journalist:innen geschossen. Fernando Montes, Reporter von Voces del Guayabero, wurde zudem im August von einem uniformierten Soldaten mit den Worten bedroht: "Wir kriegen dich, und wir werden dich in kleine Stücke reißen. Du magst Journalist sein, aber du gehörst zur Guerilla." Bauern berichten von Verletzungen durch scharfe Munition – abgefeuert von Soldaten.

Nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung sind in den Gemeinden der Region Guayabero 4.235 Familien im Programm für Alternativen zum Kokaanbau eingeschrieben. Fast 100 Prozent der Familien in Puerto Concordia und La Macarena hätten das Programm eingehalten, 89 Prozent in Vista Hermosa und 76 Prozent in Puerto Rico. Aber seit dem Eintreffen der letzten Förderungen aus dem Programm sei so viel Zeit vergangen, dass viele Menschen wieder Koka pflanzten. Die Bäuer:innen erklären, keine andere Wahl zu haben, weil sie bei den anderen Produkten wie etwa Bananen oder Yucca wegen der Transportkosten mit Verlust arbeiten würden.

In einer ähnlichen Situation befinden sich viele Kokaanbaugebiete in Kolumbien. Im südlichen Departamento Cauca haben Dorfgemeinden zuletzt das Militär von ihrem Gelände vertrieben – aus Angst vor Angriffen. Sprecher:innen aus dem Cauca erklärten, dass sie keine Militäroperationen zulassen werden, die das Leben der Gemeinschaft gefährden. Auch würden sie sich der Vernichtung der Koka-, Marihuana- und Mohnanpflanzungen widersetzten, solange keine alternative Lebensgrundlage für die Familien geschaffen sei.

Die Gemeinden um das Dorf El Tambo berichten von Morden, Bedrohungen und Verfolgungen durch staatliche und illegale bewaffnete Gruppen, die in dem Gebiet operieren. Erst am 1. Dezember dieses Jahres wurden zwei junge Männer ermordet. Unbekannte hatten wiederholt auf die Bauern geschossen.

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