Venezuela steigert Kohleexport, auch Kunden in Europa

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Eine Million Tonnen Steinkohle können im Bergwerk Las Lajitas im Bundesstaat Aragua verarbeitet werden
Eine Million Tonnen Steinkohle können im Bergwerk Las Lajitas im Bundesstaat Aragua verarbeitet werden

London. In einem Umfeld schwerer Wirtschafts- und Finanzsanktion seitens der USA hat Venezuela seine Kohleproduktion und -exporte gesteigert. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters konnte das südamerikanische Land seine Ausfuhr von Kohle im Vorjahr auf 310.000 Tonnen verdreifachen und dürfte im laufenden Jahre diese Menge sogar noch übertreffen. So sollen sich die Lieferungen bis Juni bereits auf 365.000 Tonnen belaufen.

Reuters beruft sich auf Erkenntnisse aus Schiffsverfolgungsdaten sowie auf Statistiken der Vereinten Nationen zum internationalen Handel (UN Comtrade).

Die Hinwendung zur Kohle des eigentlich als Öl-Produzent ausgewiesenen Landes erfolgte nach den US-Sanktionen gegen seine Industrien wie Öl und Gold in den letzten zwei Jahren.

Allerdings können die wachsenden Kohleexporte nicht annähernd die durch US-Sanktionen entgangenen Erdöleinnahmen in Milliardenhöhe decken. Die Devisenverkäufe staatseigener Unternehmen an die venezolanische Zentralbank sollen im September 2020 477 Millionen US-Dollar betragen haben, verglichen mit 40 Milliarden US-Dollar im Jahr 2014.

Nach Zahlen von U.S. Geological Survey stieg Venezuelas jährliche Kohleproduktion von weniger als 100.000 Tonnen im Jahr 1988 auf acht Millionen Tonnen Mitte der 2000er Jahre. Das Land wurde damit auf diesem Gebiet nach Kolumbien und Brasilien zum drittgrößten Produzenten Lateinamerikas.

Reuters berichtet, dass weder das venezolanische Informationsministerium noch das staatliche Kohleunternehmen Carbozulia auf Bitten um Kommentare zur Zunahme der Lieferungen oder Informationen über ihre Kunden reagiert hätten.

Großbritannien, das die Regierung von Präsident Nicolás Maduros nicht anerkennt und selbst Sanktionen gegen Venezuela verhängt hat, soll eines der wichtigsten Bestimmungsländer für die Kohleexporte sein, wie Reuters unter Berufung auf die nationale Statistikbehörde berichtet. Weder einer der ausgemachten Importeure, die LCC-Gruppe mit Sitz in Cookstown, Nordirland, noch das britische Auswärtige Amt hätten Nachfragen von Reuters beantwortet.

Die US-Sanktionen erwähnen Kohle nicht ausdrücklich, haben aber bereits mit der Sanktionierung jedes Unternehmens gedroht, das Geschäfte mit der venezolanischen Regierung macht.

Peter Harrell, ein Sanktionsexperte im Außenministerium unter dem früheren US-Präsidenten Barack Obama, vertritt laut Reuters die Meinung, die USA würden sich wahrscheinlich die rechtliche Befugnis, die Sanktionen auf den Kohlesektor auszuweiten, zuschreiben. Er halte es jedoch für unwahrscheinlich, dass europäische Käufer ohne Vorankündigung sanktioniert würden, ohne zuvor den venezolanischen staatlichen Kohlenexporteur ausdrücklich zu sanktionieren.

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