Argentinien: Wo ist Facundo Castro und was hat die Polizei damit zu tun?

Mit großer Verzögerung bekommen die Ermittlungen Priorität. UNO mahnt "dringlich" Aufklärung und Schutz von Zeugen an

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Facundo Castro ist seit mittlerweile 90 Tagen unter ungeklärten Umständen verschwunden. Die Polizei gilt als verdächtig
Facundo Castro ist seit mittlerweile 90 Tagen unter ungeklärten Umständen verschwunden. Die Polizei gilt als verdächtig

Bahía Blanca. Drei Monate, nachdem der 22-jährige Facundo Astudillo Castro im Süden der Provinz Buenos Aires verschwunden ist, scheint nun endlich Schwung in die Suche nach dem Vermissten zu kommen. Castro war am 30. April an einer Bundesstraße nahe des Ortes Mayor Buratovich in eine Polizeikontrolle geraten und wurde seitdem nicht mehr gesehen. Die Ermittlungen hatten in den vergangenen Wochen immer wieder neue Erkenntnisse gebracht, die aber bisher nicht dazu führten, das Castro gefunden werden konnte. Am Donnerstag fand in der Hauptstadt Buenos Aires eine große Demonstration statt, auf der eine schnelle Aufklärung über das Verbleiben von Castro gefordert wurde.

Die Anwälte der Familie des Verschwundenen, Luciano Peretto und Leandro Aparicio, wiesen auf mehrere Ungereimtheiten in dem Fall hin, die auch die Polizei selbst als Verdächtige erscheinen lassen. Die Familie sieht in der Polizei den Hauptverdächtigen. Angehörige sprechen von einem "erzwungenen Verschwindenlassen". Mindestens neun Polizeibeamte hätten einen Vertuschungsplan in "fünf klaren Phasen" durchgeführt, der "Verzögerungen bei den Durchsuchungen" und die Einbeziehung "falscher Spuren und hartnäckiger Zeugen" in den Fall beinhaltete. So sollen beispielsweise von Castros Handy noch am Tag seines Verschwindens Textnachrichten verschickt worden sein, deren Inhalte nach Einschätzung von Familie und Freunden unmöglich von ihm selbst stammen können.

Momentan werden Blutspuren analysiert, die an Polizeiwagen gefunden wurden, die dem Stand der Ermittlungen zufolge die Kontrolle von Castro durchgeführt hatten. Die DNA-Spuren sollen von einem Labor der Bundespolizei analysiert werden.

Nach der Aufstockung der Anzahl der Ermittler auf mehr als 200 werden inzwischen auch Hunde eingesetzt. Diese sollen Spuren von Castro an einem der eingesetzten Polizeifahrzeuge erschnüffelt haben, wie die staatliche Nachrichtenagentur Telam berichtete. Auch wird nun untersucht, ob die Ermittlungsakten der Polizeibehörde von Bahía Blanca möglichweise nachträglich manipuliert wurden.

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Mittlerweile hat die argentinische Regierung offiziell eine stärkere Beteiligung an der Aufklärung des Falls angekündigt und damit auf eine Forderung der Vereinten Nationen (UN) reagiert. Diese hatten vor rund zwei Wochen durch den Ausschuss für das Verschwindenlassen (CED) den argentinischen Staat ermahnt, den Fall und dessen Aufklärung "dringlicher" zu behandeln, "den ordnungsgemäßen Ablauf der Untersuchungen" zu gewährleisten sowie Zeugen vor möglichen Repressalien zu schützen. Der CED folgte damit einer Bitte der Provinzkommission für das Gedenken (CMS), die sich entsprechend an die UN gewandt hatte.

Die CMS hatte auch den Antrag gestellt, den bisher verantwortlichen Bundesstaatsanwalt, Santiago Ulpiano Martínez, wegen der Unregelmäßigkeiten bei den bisherigen Ermittlungen vom Fall abzuziehen. Dies wurde am Mittwoch von der Bundesrichterin María Gabriela Marrón allerdings mit der Begründung abgelehnt, die Ermittlungen seien bisher "korrekt" verlaufen.

Präsident Alberto Fernández soll sich in dieser Woche direkt mit der Mutter des Verschwundenen, Cristina Castro, in Verbindung gesetzt und ihr seine volle Unterstützung zugesagt haben. Sprecher des Gouverneurs der Provinz Buenos Aires, Axel Kicillof, erklärten, man wolle vollumfänglich mit der Justiz zusammenarbeiten, um eine "schnelle und präzise" Aufklärung zu ermöglichen, es werde "niemand versteckt". Auch Kicillof selbst soll laut eines Berichts von pagina12 schon mehrfach mit der Mutter in persönlichem Kontakt gestanden haben. So wird von Seiten des Staates, nachdem bereits drei Monate vergangen sind, dem Fall nun eine höhere Priorität gegeben.

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