Honduras: Massaker in Gefängnissen fordern mehr als 50 Tote und Verletzte

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Polizei und Militär haben die Kontrolle über 28 Gefängnisse in Honduras übernommen
Polizei und Militär haben die Kontrolle über 28 Gefängnisse in Honduras übernommen

Tegucigalpa. Am vergangenen Sonntag ist es im Gefängnis El Porvenir im Departamento Francisco Morazan in Honduras zu einer tödlichen Auseinandersetzung gekommen, bei der durch Schuss- und Stichwaffen 19 Inhaftierte getötet wurden. Bei den Angreifern und Toten soll es sich um Mitglieder rivalisierender Gangs handeln. Bereits am 20. Dezember sind im Gefängnis in Tela im nördlichen Departamento Atlántida 19 Inhaftierte ermordet und 16 weitere Häftlinge verletzt worden.

Gemäß dem Präsidialdekret vom 16. Dezember haben Armee und die Spezialpolizei (Fusina) für die nächsten sechs Monate die Kontrolle über 28 Gefängnisse mit mehr als 21.600 Häftlingen übernommen. In Honduras sind lediglich ca. 9.000 der Inhaftierten rechtskräftig verurteilt. Das Dekret wurde infolge des Massakers vom 14. Dezember im Hochsicherheitsgefängnis La Tolva erlassen, bei dem fünf Häftlinge ermordet wurden. In einer Pressekonferenz versicherten Oberste aus Militär und Polizei, dass die jüngsten Geschehnisse eine "Eskalation der kriminellen Welt" seien, die verhindern sollen, dass die einberufene Kommission zur Intervention in den Strafanstalten, die der Polizei und Armee untersteht, die notwendige Kontrolle in den Gefängnissen des Landes übernehme.

Nationale und internationale Menschenrechtsorganisationen äußern sich indes besorgt über die Zustände in den Gefängnissen. Allein im Dezember seien 46 Inhaftierte, darunter vier Minderjährige getötet worden. Weiterhin betonte das Zentrum für Gerechtigkeit und internationales Recht, dass die honduranischen Behörden die Bedingungen durch Maßnahmen verschärft haben, die gegen internationale Menschenrechtsstandards verstoßen. Menschenrechtverteidiger würden in Ausübung ihrer Arbeit zu den Geschehnissen in den Gefängnissen bedroht, Familienangehörigen würden keine Informationen erteilt. Sie fordern die Rücknahme des Dekrets und eine Beteiligung der Menschenrechtsorganisationen in der Kommission zur Intervention in den Haftanstalten.

Im Vorfeld dieser Ereignisse wurde am 13. Dezember der suspendierte Direktor des Hochsicherheitsgefängnisses El Pozo, Pedro Ildefonso Armas, in seinem Fahrzeug erschossen. Er war Zeuge des Mordes an dem mutmaßlichen Drogenhändler Nery López Sanabria alias Magdaleno Meza, Autor der Notizbücher, die als Beweismittel im New Yorker Prozess gegen Juan Antonio "Tony" Hernández, Bruder des amtierenden Präsidenten, verwendet wurden. López wurde in Anwesenheit von Armas von Mithäftlingen im Hochsicherheitsgefängnis erschossen.

Maria Luisa Borjas, Abgeordnete der Oppositionspartei Libre, äußerte in einem Interview, dass die jüngsten Massaker in den Gefängnissen einer Säuberung gleich kämen, um Personen zu beseitigen, die Hinweise auf Aktivitäten zum Drogenhandel geben könnten. Zum anderen verfolge dies den Zweck der Privatisierung der Haftanstalten. 

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