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Uruguay und die USA geben gegenseitig Reisewarnungen heraus

Uruguay kritisiert Einmischung in Wahlkampagne zum Vorteil der Rechten. Umgehende Reaktion nach Terroranschlägen in USA

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Der Außenminister von Uruguay, Rodolfo Nin Novoa, reagierte umgehend auf die Reisewarnungen aus den USA
Der Außenminister von Uruguay, Rodolfo Nin Novoa, reagierte umgehend auf die Reisewarnungen aus den USA

Montevideo. Nachdem die USA eine Reisewarnung für Uruguay herausgegeben haben, hat das südamerikanische Land seinerseits mit einer Warnung für Reisen in umgekehrter Richtung veröffentlicht. "Wir fanden überraschenderweise eine Sicherheitswarnung der US-Regierung für Reisen nach Uruguay vor. Wir gehen davon aus, dass es sich hier um eine Einmischung in die Wahlkampagne unseres Landes handelt", sagte der uruguayische Außenminister Nin Novoa auf einer Pressekonferenz. Nach den schweren Terroranschlägen in den USA reagierte die uruguayische Regierung dann ihrerseits mit einer Reisewarnung für das nordamerikanische Land.

Angeblich seien manche Stadtviertel Montevideos und einige Badeorte besonders gefährlich, so die Warnung aus den USA. "Im vergangenen Jahr war die Kriminalitätsrate in Uruguay zwar höher, doch für die Regierung von Donald Trump kein Thema. Und nun, nachdem wir einen Rückgang von 20 Prozent in der ersten Jahreshälfte 2019 verzeichnen, kommt diese Alarmmeldung", so Novoa.

Tatsächlich trifft die Mitteilung aus Washington das kleine südamerikanische Land empfindlich: Zum einem wird der Tourismus davon in Mitleidenschaft gezogen. Er ist eine der Haupteinnahmequellen Uruguays. Zum anderen ist die innere Sicherheit das zentrale Wahlkampfthema der rechten Opposition. Bereits in den Vorwahlen erhielten besonders die rechtsaußen georteten Kräfte dadurch einen Aufschwung. Gleichzeitig mit den Präsidentschaftswahlen im Oktober soll über ein Gesetzesprojekt der Nationalpartei abgestimmt werden, das den Einsatz des Militärs bei der Verbrechensbekämpfung ermöglicht.

Der Innenminister Uruguays, Eduardo Bonomi, führte in den letzten Jahren eine tiefgreifende Modernisierung der gesamten Polizei durch. Eine gleichzeitige Reform im Prozess- und Strafrecht ergänzte diese Maßnahmen. Erste Ergebnisse wurden in den vergangenen Monaten bei verstärkten Einsätzen gegen Drogenmafias sichtbar, die vor allem aus Brasilien "einwandern".

"Uruguay erscheint in keiner der internationalen Statistiken über die Gewalt in den Ländern der Welt. Keine uruguayische Stadt ist unter den 50 gewalttätigsten der Welt. Ganz im Gegensatz zu einigen des Landes, das gerade auf die Kriminalitätsrate Uruguays hinweist," so Nin Novoa. Er erinnerte zudem an eine Homepage des US-Außenministeriums, auf der alle Länder der Welt auf einer Skala von 1-4 bewertet werden. "Sie haben die göttliche Mission, die Staaten der Welt zu beurteilen."

Uruguays Regierung antwortete umgehend auf die Kritik der USA. Sie veröffentlichte eine Sicherheitswarnung für ihre Bürger, die in die USA reisen wollen. Im Wortlaut: "Landsleute, die in die USA reisen, sollten maximale Vorsichtsmaßnahmen treffen. Die wachsende wahllose Gewalt überwiegend aus Hassverbrechen einschließlich Rassismus und Diskriminierung haben in den ersten sieben Monaten dieses Jahres mehr als 250 Menschen das Leben gekostet."

Die Behörden seien nicht in der Lage, solche Situationen zu verhindern, unter anderem aufgrund des unkontrollierten Schusswaffenbesitzes in der Bevölkerung. Deshalb sei es besonders ratsam, Orte mit großen Menschenansammlungen zu meiden. Insbesondere wird empfohlen, Freizeitparks, Einkaufszentren, Festivals, religiöse Aktivitäten, gastronomische Messen und jede Art von kulturellen oder sportlichen Veranstaltungen nicht mit Minderjährigen zu besuchen.

Ebenso wird empfohlen, sich von einigen Städten wie Detroit (Michigan), Baltimore (Maryland) und Albuquerque (New Mexico) fern zu halten, die laut dem Ceoworld Magazine 2019 zu den 20 gefährlichsten der Welt gehören.

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