Mexiko

Entführte indigene Menschenrechtsaktivistin in Mexiko freigelassen

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Ein selten glücklicher Fall: Die Aktivistin ist lebend gefunden worden!
Ein selten glücklicher Fall: Die Aktivistin ist lebend gefunden worden!

Vier Tage nach ihrem gewaltsamen Verschwinden in Guerrero sind die indigene Menschenrechtsverteidigerin Obtilia Eugenio Manuel und ihr Begleiter Hilario Cornelio Castro am 16. Februar wieder lebend aufgetaucht. Dem überraschend positiven Ausgang des Falls ging eine massive Kampagne voran, mit der mexikanische und internationale Menschenrechtsorganisationen auf die Suche der beiden vermissten Aktivisten aus Ayutla de los Libres drängten. An der Kampagne beteiligte sich auch die Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko.

Die Umstände der Freilassung der beiden Mitglieder der Organisation der indigenen Völker der Me'phaa (Opim) sind unklar. Héctor Astudillo Flores, der Gouverneur von Guerrero, vermeldete auf seinem Twitter-Account: "Heute um 5 Uhr morgens wurden die Bürger Obtilia Eugenio Manuel und Hilario Cornelio Castro in Tierra Colorada geortet; die Aktion realisierten gemeinsam die Armee, die lokalen und föderalen Untersuchungsbehörden."

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Doch Cuauhtémoc Ramírez, Ehemann von Obtilia Eugenio Manuel, widersprach der Version des Gouverneurs. Weder eine Polizei- noch eine Militäraktion hätten die beiden befreit, vielmehr habe er von den Entführern einen Anruf erhalten mit der Anordnung, alleine im Ort Tierra Colorada zu erscheinen, um die Freigelassenen in Empfang zu nehmen. Er bedankte sich bei den mexikanischen und internationalen sozialen Organisationen für die breite Solidarität.

Laut Informationen der lokalen Menschenrechtsorganisation Tlachinollan sowie dem Solidaritätsnetzwerk "Dekade der Straflosigkeit" erhielt Eugenio Manuel seit November Morddrohungen per Telefon. Die Anrufer wollten sie offenbar davon abbringen, sich im neuen Gemeinderat von Ayutla zu engagieren, wo sie Korruptionsfälle der Vorgängerregierung aufdeckte. Die Menschenrechtsverteidigerin assoziierte die Anrufe mit der organisierten Kriminalität, die sich durch die kommunalen Räte beeinträchtigt fühlte. Ayutla wird als erster Bezirk Guerreros seit Oktober 2018 von einem indigenen Rat regiert, ohne Beteiligung von politischen Parteien. Das Solidaritätsnetzwerk "Dekade der Straflosigkeit" forderte in einer kurzen Stellungnahme die föderalen Untersuchungsbehörden auf, das gewaltsame Verschwindenlassen der beiden Aktivisten restlos aufzuklären und die Kriminalisierung von Menschenrechtsaktivisten im Land zu beenden.

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