USA liefern angeklagten früheren Elitesoldaten an Guatemala aus

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Angehörige von Opfern des Massakers von Dos Erres fordern Aufklärung und die Bestrafung der Täter
Angehörige von Opfern des Massakers von Dos Erres fordern Aufklärung und die Bestrafung der Täter

San Francisco/Guatemala-Stadt. Die USA haben den ehemaligen guatemaltekischen Elitesoldaten Santos López Alonzo, der sich in seiner Heimat wegen Verbrechen gegen die Menschheit verantworten muss, vergangene Woche an das mittelamerikanische Land ausgeliefert. Das US-Berufungsgericht in San Francisco hatte sein letztes Aufenthaltsgesuch zuvor abgelehnt.

López wird vorgeworfen, am Massaker in der Gemeinde Dos Erres im Departamento Péten im Jahr 1982 während der Präsidentschaft von General Efraín Rios Montt beteiligt gewesen zu sein. Eine Elitetruppe führte damals einen Überfall auf das Dorf aus, folterte und tötete in drei Tagen über 200 Menschen, darunter auch Kinder und schwangere Frauen. Das Dorf ist anschließend samt Vieh und Feldern zerstört worden.

Im August 2011 wurden vier von insgesamt 17 angeklagten Ex-Militärs im Fall Dos Erres zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Erst 2012 wurde auch Pedro Pimentel Ríos, der die Eliteeinheit angeführt haben soll, verurteilt. Dieser ist 2011 von den USA an Guatemala ausgeliefert worden. Zwei weitere Angeklagte, Gilberto Jordan und Sosa Orantes sitzen derweil noch eine Gefängnisstrafe in den USA wegen betrügerischen Angaben bei der Einbürgerung ab, bevor auch sie ausgeliefert werden. Für neun weitere Angeklagte sind Haftbefehle ausgestellt werden, sie sind immer noch flüchtig.

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López wurde bereits 2010 wegen illegalem Aufenthalt in den USA festgenommen. Da er aber Kronzeuge im Gerichtsverfahren gegen einen Militärkollegen in den USA war, wurde er weiterhin in den USA geduldet. Seine Auslieferung hat er mittels mehrerer Einsprüche bis vor einem Monat abwenden können.

Bei seiner Ankunft in Guatemala-Stadt äußerte López "Angst vor Repressalien" der guatemaltekischen Behörden sowie vor anderen Gefängnisinsassen, da er in den USA gegen einen ehemaligen Kollegen ausgesagt habe und somit ein Verräter gelte. Außerdem habe er niemanden bei dem Massaker getötet, da er damals nur als Wachsoldat eingesetzt worden sei, so López. Er habe ein reines Gewissen: "Wer nichts verbrochen, hat nichts zu befürchten."

Die Angehörigen der Opfer äußerten indes in einem Kommuniqué der Organisation Famdegua (Vereinigung der Familienangehörigen von Verschwundenen in Guatemala) ihre Zufriedenheit über die Auslieferung von López, die sie seit 2009 gefordert hatten.

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