Mexiko / Politik

Kritik an Mexikos Regierung nach Festnahme von Drogenboss "El Chapo"

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Demonstration nach der Verhaftung Guzmans im Januar 2014 in Guamúchil: "Sinaloa unterstützt dich und ist mit dir, Chapo"
Demonstration nach der Verhaftung Guzmans im Januar 2014 in Guamúchil: "Sinaloa unterstützt dich und ist mit dir, Chapo"

Mexiko-Stadt. Fast sechs Monate nach seiner spektakulären Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis ist Kartellchef Joaquín Guzmán wieder in Gewahrsam. Am vergangenen Freitag wurde er von den mexikanischen Sicherheitsbehörden festgesetzt.

Die mexikanische Regierung verbuchte die Wiederfestnahme von "El Chapo" in der Stadt Los Mochis im Staat Sinaloa als Erfolg.

Andrés Manuel López Obrador, zweimaliger Präsidentschaftskandidat, kritisierte diese Haltung bei einem Auftritt in Puebla. Die Einsatzkräfte der Marine hätten lediglich ihre Arbeit getan. Das Militär zeige sich hingegen seit über einem Jahr unfähig, die verschwundenen 43 Lehramtsstudenten zu finden, so Obrador. Die Studenten der Lehrerfachschule "Raúl Isidro Burgos" in Ayotzinapa waren am 26. September 2014 von Polizeikräften der Kreisstadt Iguala festgenommen worden. Polizisten des Bundesstaates Guerrero und der Nationalpolizei waren zu dem Zeitpunkt ebenfalls anwesend. Laut Augenzeugenberichten wurden die Studenten anschließend an die Mafia-Organisation "Guerreros Unidos" übergeben.

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López Obrador bezeichnete die Regierung als ein Kartell, das korrupt und unfähig sei und äußerte Anschuldigungen El Chapo und andere Drogenhändler seien jahrelang durch die Autoritäten gedeckt worden.

Auch die künftige Unterbringung Guzmáns steht zur Diskussion. Stimmen in der Opposition forderten den Anweisungen der USA nachzugeben und den festgesetzten Drogenhändler auszuliefern. Nur so sei eine effiziente Verwahrung zu gewährleisten. Jedoch fürchte die Regierung um die politischen Folgen eines Eingeständnisses dieser Art, so die Tageszeitung La Jornada. Zum einen würde damit die Unfähigkeit des Sicherheitsapparats offensichtlich, zum anderen bedeute die Auslieferung eine Unterordnung unter die Wünsche Washingtons. Die mexikanischen Behörden hatten bisher angedacht, El Chapo in das Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano unterzubringen, von wo er vor fast einem halben Jahr durch einen Tunnel und mit Hilfe der Wachleute fliehen konnte. Mittlerweile wird eine Auslieferung von der Generalstaatsanwaltschaft PGR geklärt.

Währenddessen treten weitere skurrile Informationen zutage: El Chapo hatte vor seiner Festnahme dem US-amerikanischen Schauspieler Sean Penn ein Interview für die Zeitschrift Rolling Stone gegeben. Darin erklärte er seine Sicht auf sein Leben und den Drogenhandel. "Ich handle mit mehr Heroin, Methamphetamine, Kokain und Mariuhana als jeder andere auf der Welt", prahlte er. Guzmán äußerte außerdem den Wunsch, sein Leben zu verfilmen. Ob die mexikanischen Behörden Kenntnis über das Interview hatten und ob es ein zentraler Hinweis für die Suche nach dem Drogenboss war, bleibt unklar.

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