Hochrangige Ex-Militärs in Guatemala verhaftet

Anklagen wegen Verbrechen gegen die Menschheit und gewaltsamen Verschwindenlassens. Ermittlungen gegen Vertrauten von Präsident Jimmy Morales

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Gedenken an Martina Rojas. Sie wurde 1981 zusammen mit weiteren 15 Frauen, Männern und Kindern festgenommen und in die Militärzone 21 von Cóban verschleppt. Sie ist eines der 97 identifizierten Opfer
Gedenken an Martina Rojas. Sie wurde 1981 zusammen mit weiteren 15 Frauen, Männern und Kindern festgenommen und in die Militärzone 21 von Cóban verschleppt. Sie ist eines der 97 identifizierten Opfer

Guatemala-Stadt. Die Staatsanwaltschaft Guatemalas hat am Mittwoch 18 hochrangige ehemalige Militärs festnehmen lassen. Sie sollen wegen Verbrechen gegen die Menschheit und gewaltsamen Verschwindenlassens in der Zeit von 1981 bis 1988 angeklagt werden. 13 von ihnen wurden im Fall Creompaz verhaftet, "einem der größten Fälle Lateinamerikas von gewaltsamem Verschwindenlassen", wie Generalstaatsanwältin Thelma Aldana bei einer Pressekonferenz ausführte.

Die Untersuchungen starteten im Jahr 2012, als der Gerichtshof für Hochrisikofälle die Staatsanwaltschaft per Urteil anwies, Untersuchungen zu Zeugenaussagen im Fall der Massaker von Plan de Sánchez durchzuführen. Daraufhin wurden Exhumierungen in der Militärzone Nr. 21 in Cobán durchgeführt. Es wurden 558 menschliche Überreste ausgegraben. Davon sind 90 Kinder. 97 Opfer konnten identifiziert werden. Die später in Creompaz umbenannte Militärzone Nr. 21 diente als Gefangenenlager und der Exekution Gefangener, die in Massengräbern verscharrt wurden.

Den Verhafteten wird die Beteiligung an Verbrechen gegen die Menschheit und gewaltsamem Verschwindenlassen in 88 Fällen zur Last gelegt. Es lägen genügend Zeugenaussagen, forensische Daten und Gutachten vor. Bei der Pressekonferenz beschrieb die Generlstaatsanwaltschaft zwei Fälle detaillierter. 1982 wurden im Dorf Pambach 75 junge Männer von Soldaten verschleppt. Ihnen wurde erklärt, sie würden für den Militärdienst zwangsrekrutiert. 31 dieser Männer wurden in den Massengräbern identifiziert. Im selben Jahr wurden in Rio Negro, San Cristóbal Verapaz um die 80 Männer von Soldaten und Zivilpatrouillen massakriert. Überlebende Frauen und Kinder wurden in die Militärbasis gebracht. Gemäß den Ausgrabungen eines Massensgrabes entsprechen 63 Überreste Frauen und Kinder. Die Mehrzahl der gefundenen Opfer weisen Schnitt- oder Schusswunden im Nackenbereich sowie Folterspuren auf .

Manuel Benedicto Lucas García (während der Regierungszeit seines Bruders Romeo Lucas García 1981 bis 1982 Oberbefehlshaber der Armee), der damalige Kommandant der Militärzone Nr. 21 und elf weitere Offiziere wurden festgenommen.

Ebenso wurden vier Offiziere der Militärbasis in Quetzaltenango im Fall des Verschwindenlassens des 14-jährigen Marco Antonio Molina Theissen verhaftet. Sie werden verdächtigt, an dem Verschwinden und der Ermordung des Jungen beteiligt gewesen zu sein. Der Staat Guatemala war im Jahr 2004 mit einem Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofes für Menschenrechte CIDH angewiesen worden, die Überreste des Opfers zu suchen, die Täter zu ermitteln und zu sanktionieren.

Des Weiteren wird eine Voruntersuchung wegen gewaltsamen Verschwindenlassens gegen Edgar Justino Ovalle Maldonado eingeleitet. Er wurde im September 2015 als Kongressabgeordneter der Regierungspartei FCN gewählt. Er ist einer der führenden Strategen der Partei, enger Mitarbeiter des gewählten Präsidenten Jimmy Morales und Mitglied der Militärveteranenorganisation (Avemilgua).

Guatemala erlitt zwischen 1960 und 1996 einen gewaltsamen internen Konflikt. Dabei wurden 150.000 bis 250.000 Menschen in planmäßigen Massakern ermordet. 83 Prozent der Getöteten waren Indigene.

Die Aufarbeitung der von der Wahrheitskommission als Völkermord bezeichneten Verbrechen gegen die Menschlichkeit kommt nur schleppend voran, bis heute wurden erst zwölf Urteile gefällt. Im Jahr 2001 wurde Klage gegen Ex-Diktator Efraín Ríos Montt (1982 bis 1983) und seinen Führungsstab eingereicht. Das gegen Ríos Montt ergangene Urteil wegen Völkermordes wurde allerdings wieder aufgehoben. In diesen Tagen soll der neu aufgerollte Prozess gegen ihn fortgeführt werden.

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