Straßenverkäufer in Kolumbien unterbrechen Hungerstreik

act1.jpg

Protestierende Straßenverkäufer in Cúcuta
Protestierende Straßenverkäufer in Cúcuta

Cúcuta. Nach 15 Tagen Hungerstreik haben die protestierenden Straßenverkäufer der Grenzstadt Cúcuta im Nordosten Kolumbiens angekündigt, ihre Aktion vorübergehend zu unterbrechen. Dies haben die acht Hungerstreikenden am Mittwoch mitgeteilt, nachdem der Stadtrat ihnen die Bereitschaft der Stadtverwaltung zum Dialog zugesichert hat. Grund der Proteste ist die Verschlechterung der prekären Arbeitsbedingungen der Straßenverkäufer seit fünf Monaten wegen einer Verdrängungskampagne der Stadtverwaltung.

Zu den bislang durchgeführten Maßnahmen der Behörden gehört die Vertreibung aus der 6. Straße, einer der wichtigsten Handelsstraßen Cúcutas. "Von meiner Arbeit hängen vier Menschen ab. Früher konnte ich zwischen 15.000 und 20.000 Peso (zwischen sieben und acht Euro) machen. Jetzt sind es nur 3.000 Peso, das reicht nicht", erklärte die Hungerstreikende Miriam Lindarte. Vier der Beteiligten sind weiblich, Frauen sind von den Maßnahmen besonders betroffen, da sie oft von der Arbeit im informellen Sektor abhängig sind.

Im Januar ist die Polizei ohne Ankündigung oder Durchsuchungsbefehl in ein Lager eingebrochen, in dem die Verkaufskarren in der Nacht aufbewahrt werden, und hat 250 von ihnen beschlagnahmt. Nach den Vertreibungsmanövern der Stadtverwaltung stehen nun 600 Familien mittellos da, informierten die Sprecher des Streiks.

Ihnen gefällt, was Sie lesen?

Das freut uns. Unterstützen Sie unsere Arbeit, regelmäßige Spenden helfen uns, das Projekt amerika21 nachhaltig aufzustellen.

Ihr amerika21-Team

Laut César Valencia, dem Vertreter der Gewerkschaft der informellen Arbeiter von Cúcuta (Asovicut), waren mehrere Versuche zu einem Dialog mit der Stadtverwaltung gescheitert. Ebenso hatte der Bürgermeister die Liste mit Forderungen und Vorschlägen von Asovicut abgelehnt. Es handele sich dabei um Regelungen zur Nutzung des öffentlichen Raums, eine Arbeitspolitik für den Übergang der informellen Arbeiter in die formelle Ökonomie sowie die Verlagerung der Verkaufsplätze der Straßenverkäufer.

Nach Auffassung Valencias sei ein solcher Dialog angesichts der Rate informell Tätiger in Cúcuta sehr wichtig. Angaben der Statistikbehörde (Dane) zufolge arbeiten 70 Prozent der Einwohner Cúcutas in der Informalität. Somit hätte die Grenzstadt den größten Anteil informeller Arbeiter aller kolumbianischen Städte. Außerdem steht Cúcuta mit 15,6 Prozent Arbeitslosen an zweiter Stelle der städtischen Arbeitslosigkeit in Kolumbien.

Anfang der Woche hatte Maria Adelaida Ontiveros, eine hohe Funktionärin der Stadtverwaltung, mitgeteilt, dass die Vorschläge von Asovicut "unausführbar" seien. Sie passten nicht zur Norm und zum Raumordnungsplan des Gemeindebezirks. Die Verteidigung des öffentlichen Raums sei "unverhandelbar", führte Ontiveros aus. Darüber hinaus hatte der Bürgermeister Donamaris Ramírez die Räumung des Protestcamps angekündigt.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr