Dow Chemical in Kolumbien wegen Umweltschäden verurteilt

dow-chemical.jpg

Transparent bei einer Protestaktion gegen Dow Chemical
Transparent bei einer Protestaktion gegen Dow Chemical

Bogotá. Der US-amerikanische Konzern Dow Chemical ist vom Verfassungsgericht in Kolumbien wegen Umweltschäden zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Gericht hat den Konzern für schuldig befunden, im Jahr 1989 Teile der Bucht von Cartagena de Indias an der Karibikküste mit rund 280 Kilogramm Pestiziden verseucht zu haben. Dort befindet sich eine Niederlassung von Dow Chemical. Für die entstandenen Schäden muss das Unternehmen Entschädigung bezahlen und sich öffentlich entschuldigen.

Das Gericht forderte darüber hinaus vom Umweltministerium und dem Bürgermeisteramt von Cartagena, eine detaillierte Untersuchung in der dortigen Niederlassung von Dow Chemical anzustellen, in der Pestizide hergestellt werden. Außerdem ordnete das Verfassungsgericht eine Untersuchung gegen den zuständigen Richter an, der das Verfahren über 20 Jahre verzögert hatte.

Damals war ein Gebiet von mindestens drei Quadratkilometern von der Vergiftung betroffen. Schwere Schäden im Ökosystem sowie ein massives Tiersterben im Meer waren die Folge. Für die dort lebenden Fischer bedeutete dies Verluste in Höhe von etwa fünf Millionen US-Dollar. Bei dem Gift, das in die Bucht gelangt war, handelte es sich um das Insektizid Lorsban, eine Substanz, die als tödlich für das Meeresleben gilt. Der Vorgang führte zu einem Skandal im Land, nachdem Anwohner protestiert hatten und Fotos von den verheerenden Folgen veröffentlicht wurden, unter anderem vom massiven Fischsterben. Seit damals wurden Forderungen erhoben, Dow Chemical müsse für die ökologische Wiederherstellung der Region sorgen und öffentlich um Entschuldigung bitten. Mehr als 20 Jahre später erging nun das entsprechende Urteil.

Ihnen gefällt, was Sie lesen?

Das freut uns. Unterstützen Sie unsere Arbeit, regelmäßige Spenden helfen uns, das Projekt amerika21 nachhaltig aufzustellen.

Ihr amerika21-Team

Ob der US-Konzern den ihm auferlegten Schadensersatz leistet, ist allerdings fraglich: So hat er sich bis heute geweigert, die Opfer von Bhopal zu entschädigen. Dow Chemical kaufte im Jahr 2001 die Firma Union Carbide auf, die die Giftgaskatastrophe im indischen Bhopal im Jahre 1984 verursacht hat. Bis zu 25.000 Menschen starben, bis zu 500.000 wurden verletzt und leiden zum Teil heute noch unter den Folgen.

Auch die Opfer der Agent Orange-Einsätze im Vienamkrieg wurden bis heute nicht entschädigt. Dow Chemical ist eine der Herstellerfirmen des Entlaubungsmittels Agent Orange, das von 1961 bis 1971 über Vietnam und Teilen von Laos und Kambodscha versprüht wurde, damit das US-Militär die Volksbefreiungsarmee effektiver bekämpfen konnte. 4,8 Millionen Menschen wurden mit der giftigen Substanz besprüht, bei drei Millionen hat dies schwere Folgen wie Krebserkrankungen und Geburtsschäden bewirkt. Noch heute werden in der dritten Generation missgebildete Kinder geboren.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr