Paraguay: Schwangerschaft von Zehnjähriger provoziert Abtreibungsdebatte

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Kampagne von Amnesty International: "Mädchen in Gefahr: 
"Sie ist gerade mal zehn Jahre alt"
Kampagne von Amnesty International: "Mädchen in Gefahr: "Sie ist gerade mal zehn Jahre alt"

Asunción. Der Fall einer schwangeren Zehnjährigen hat in Paraguay zu einer öffentlichen Diskussion über Abtreibung geführt. Das Mädchen war wegen Bauchschmerzen Ende April von der Mutter in ein Krankenhaus in Asunción gebracht worden. Dort stellten die Ärzte fest, dass das Kind bereits im fünften Monat schwanger war. Mutmaßlich war es von seinem Stiefvater missbraucht worden. Der Mann ist auf der Flucht und wird mit Haftbefehl gesucht. Die 32 Jahre alte Mutter sitzt in Untersuchungshaft.

Die zuständigen Behörden in Paraguay hatten wenige Tage später laut der Nachrichtenagentur AP die Abtreibung des Fötus abgelehnt und damit eine heftige Diskussion über das Wohlergehen des Mädchens ausgelöst. Amnesty International forderte die Einsetzung einer Kommission, die über das weitere Verfahren beraten solle. Die Organisation ruft die paraguayische Regierung unter Präsident Horacio Cartes dazu auf, alles zu tun, um das Leben und die physische sowie psychische Unversehrtheit des zehnjährigen Mädchens zu schützen. In den sozialen Netzwerken startete AI eine Kampagne zur Unterstützung des Kindes unter dem Hashtag #NiñaEnPeligro.

Abtreibung ist in Paraguay prinzipiell verboten und wird oft mit mehrjährigen Gefängnisstrafen geahndet. Nur wenn für die Mutter akute Lebensgefahr besteht, ist eine Abtreibung laut Gesetz zulässig. Die UNO geht davon aus, dass jährlich etwa 26.000 illegale Abtreibungen vorgenommen werden.

Inzwischen sind weitere Fälle von schwangeren Kindern öffentlich geworden. Nach Informationen der spanischen Nachrichtenagentur EFE brachten in Paraguay allein im vergangenen Jahr rund 650 Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren ein Kind zur Welt.

Am vergangenen Donnerstag versammelten sich laut der Tageszeitung "Última Hora" Vertreter verschiedener Institutionen in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Asunción, um über die aktuellen Vorfälle zu beraten. Ziel sei vor allem, die Kommunikation zwischen Ärzten und den zuständigen Institutionen zu verbessern. Im Fall des jungen Mädchens etwa informierte das Krankenhaus laut EFE zwar das zuständige Ministerium für Kinder- und Jugendangelegenheiten, nicht aber die Staatsanwaltschaft.

Zudem soll die Mutter schon Anfang 2014 die Behörden auf den Stiefvater aufmerksam gemacht haben, weil er das Mädchen missbrauche.

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