Argentinisches Gericht lehnt Auslieferung nach Peru ab

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Oswaldo Quispe nach seiner Freilassung
Oswaldo Quispe nach seiner Freilassung

Buenos Aires. Ein argentinisches Gericht hat das Auslieferungsgesuch von Peru bezüglich dessen Staatsbürgers Oswaldo Quispe abgewiesen und nach acht Monaten Auslieferungshaft seine Freilassung angeordnet. Die peruanische Regierung hatte Quispe "terroristischer Aktionen" während des internen bewaffneten Konfliktes in Peru in den Jahren zwischen 1980 und 2000 beschuldigt. Dieser innere Krieg kostete das Land insgesamt 70.000 Tote, unter diesen drei Viertel aus den indigenen Bevölkerungsgruppen.

Auch die argentinische Staatsanwaltschaft hatte in dem nun abgeschlossenen Verfahren das Ersuchen Perus zurückgewiesen, da die Behörden des Andenstaates der Anforderung näherer Erläuterungen der rechtlichen Vorwürfe gegen Quispe nicht nachkommen konnten.

Oswaldo Quispe floh 1995 aus Peru über Bolivien nach Argentinien, wo er den Berichten nach 2004 eintraf. Die peruanische Antiterrorpolizei machte ihn 2013 in Buenos Aires ausfindig und legte einen internationalen Haftbefehl vor. Daraufhin wurde er im Ezeiza-Gefängnis inhaftiert und musste dort die Entscheidung über seine Auslieferung abwarten.

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Dem Verfahren wohnten unter anderen Nora Cortinas von den Müttern des Plaza de Mayo sowie die Ehefrau Oswaldos bei, die in Argentinien bereits politisches Asyl erhalten hatte. Zahlreiche Intellektuelle, Journalisten und soziale Organisationen setzten sich für den Schutz Quispes vor politischer Verfolgung ein.

Quispe selbst hatte in einem Interview aus der Haft heraus die Anschuldigungen wegen "illegaler Aktivitäten" zurückgewiesen. Bereits in seiner Heimat habe er bei kommunalen Medien gearbeitet. In Argentinien studierte er Journalismus an der dem Arbeitsministerium angegliederten Schule für audiovisuelle Medien "Homero Manzi". Später arbeitete er für die Sender FM 88.3 von Radio Sur und für La Olla TV.

"Meine Berufung ist die Medienarbeit, und insbesondere investigativer Jounalismus im Dienste der Untersten und des Volkes, das für seine Rechte kämpft", so Quispe in dem Interview. Hinsichtlich des Auslieferungsgesuches prangerte er die Praxis der Verfolgung in Peru an, die von vielen Menschrechtsorganisationen dokumentiert sei. Die Regierung von Ollanta Humala bediene sich der noch immer gültigen Gesetze aus der Zeit von Präsident Alberto Fujimori (1990 bis 2000) und dessen Geheimdienstchef Vladimir Montesino.

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