Proteste gegen Ölfeldversteigerung in Rio

Versteigerung erfolgte angesichts starker Proteste unter Schutz des Militärs. Brasilien veräußert einen Großteil seiner Erdölreserven

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In der 2006 entdeckten Lagerstätte werden zwischen acht und zwölf Milliarden Barrel Erdöl vermutet
In der 2006 entdeckten Lagerstätte werden zwischen acht und zwölf Milliarden Barrel Erdöl vermutet

Rio de Janeiro.  Am 21. Oktober hat in Rio de Janeiro die Versteigerung der Förderrechte des bisher größten Ölfeldes Brasiliens, dem Campo de Libra im Gebiet des Pré-Sal stattgefunden.

In der 2006 entdeckten Lagerstätte, rund 150 Kilometer vor der Küste von Rio de Janeiro entfernt, werden zwischen acht und zwölf Milliarden Barrel Erdöl vermutet. Die Reserven des Landes würden sich nahezu verdoppeln und Brasilien auf Platz fünf der Erdölproduzierenden Länder hieven. Den Prognosen der brasilianischen Bundesagentur für Erdöl (ANP) zufolge liegt der Wert des versteigerten Ölfeldes bei 715 Milliarden Euro. Die Größe der Lagerstätte mache jedoch den Einsatz von mindestens 17 Bohrinseln und Investitionen von bis zu 140 Milliarden Euro in den kommenden 30 Jahren notwendig, so Finanzminister Guido Mantega.

Während der Auktion kam es vor dem Veranstaltungsort zu starken Protesten von Erdölarbeitern und sozialen Bewegungen. Diese demonstrierten gegen den "Ausverkauf" ihres Landes. Seit Donnerstag vergangener Woche befinden sich die Gewerkschafter von Petrobrás zudem im Streik. Auf 43 Bohrinseln sei es bis zum Wochenende zu Arbeitsniederlegungen gekommen, die den teilweisen Stillstand der Produktion zur Folge hatten. Seit Samstag waren Protestcamps vor dem Sitz von Petrobrás im Zentrum von Rio de Janeiro sowie dem Tagungsort der Versteigerung, einem Hotel in der Nähe des Strandes im noblen Stadtteil Barra de Tijuca, aufgebaut worden. Die Demonstranten hatten versucht, Angestellte von Petrobrás sowie Teilnehmer an der Auktion am Verlassen oder Betreten der Gebäude zu hindern. Ein Großaufgebot von Militär, Marine und diversen Polizeieinheiten verhinderten dies jedoch. Insgesamt waren 1100 Angehörige der Sicherheitsorgane im Einsatz. Bei den Protesten kam es zu vereinzelten Festnahmen auch von Verletzten wurde berichtet. Die Gewerkschaft der Erdölarbeiter (FUP) kritisierte Präsidentin Dilma Rousseff dafür, das Militär im Inland einzusetzen.

Das Mindestgebot für die Förderrechte der nächsten 35 Jahre sah eine Beteiligung Brasiliens an den Erlösen in Höhe von 41,65 Prozent vor. Dies entspricht etwa 300 Milliarden Euro, zuzüglich einer einmaligen Gebühr von etwa fünf Milliarden Euro. Angesichts der dafür nötigen finanziellen Aufwendungen war die Auktion schnell beendet. Den Zuschlag erhielt ein Konsortium aus fünf Unternehmen. Mit 40 Prozent hat das brasilianische Unternehmen Petrobrás den größten Anteil an dem Projekt. Das britisch-niederländische Unternehmen Shell sowie die französische Total werden jeweils mit 20 Prozent beteiligt sein. Die beiden chinesischen Erdölunternehmen, CNPC und CNOOC tragen jeweils zehn Prozent an den Investitionen und Gewinnen.

Die staatlich kontrollierte Petrobrás war durch die Auflagen als beteiligter Betreiber mit 30 Prozent Anteil festgelegt. Laut Presseberichten sei dies auch der Grund gewesen sein, weshalb sich keiner der US-amerikanischen oder britischen Konzerne wie Exxon, Chevron oder BP um die Ausschreibung beworben hatte. Das Entscheidungsgewicht von  Petrobrás in egal welcher Konstellation sei zu groß für diese Unternehmen gewesen. Von anfänglich 43 interessierten Erdöl produzierenden Unternehmen nahmen am Ende nur noch zehn an der Auktion am Montag teil.

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