Chile / Politik

Kandidat der Rechten in Chile wirft das Handtuch

Desaströse Kandidatensuche des konservativen Lagers. Familie der neue Anwärterin hatte enge Kontakte zur Pinochet-Diktatur

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Will sich nicht mehr zur Wahl stellen: Pablo Longueira
Will sich nicht mehr zur Wahl stellen: Pablo Longueira

Santiago de Chile. Der Kandidat des rechtskonservativen Parteienbündnisses Alianza por Chile, Pablo Longueira, hat seinen Rückzug aus dem Rennen um das

chilenische Präsidentschaftsamt bekanntgegeben. Longueira war in den achtziger Jahren Berater des Diktatur-Regimes von General Augusto Pinochet gewesen. Bis zum April 2013 war er Wirtschafsminister der aktuellen Regierung unter Sebastián Piñera. Er legte im April sein Amt nieder, um für seine Partei Unión Demócrata Independiente (UDI) als Präsidentschaftskandidat zu kandidieren. Longueira ersetzte damals den Wunschkandidaten der Alianza por Chile, Laurence Golborne, der angeklagt worden war, weil er Informationen zu seinen Konten auf den Britischen Jungferninseln verheimlicht haben soll.

Longueira konnte sich im Juni knapp gegen Andrés Allamand, den Kandidaten der anderen Bündnispartei, Renovación Nacional (RN), durchsetzten. Damit war er als offizieller Kandidat der Alianza por Chile für die Präsidentschaftswahlen am 17. November 2013 aufgestellt. Er wäre gegen die Kandidatin des Mitte-Links-Bündnisses Neue Mehrheit (Nueva Mayoría), Michelle Bachelet, angetreten. Für seinen Rückzug gab Longueira nun gesundheitliche Gründe an.

Nach der bisher desaströs verlaufenden Kandidatensuche präsentierte das Parteienbündnis Alianza por Chile am vergangenen Samstag nun die ehemalige Arbeitsministerin Evelyn Rose Matthei Fornet als neue Präsidentschaftskandidatin.

Auch Matthei Fornet kommt aus einer Familie mit starken Bindungen zum Pinochet-Regime. Ihr Vater Fernando Matthei Aubel war Mitglied der Militärjunta. In den Jahren 1976 bis 1978 war er Gesundheitsminister unter Augusto Pinochet und von 1978 bis 1991 Oberbefehlshaber der Armee.

Die Politikerin selbst blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Zusammen mit dem aktuellen Präsidenten Sebastián Piñera war sie in der Jugendgruppe der RN, Patrulla Juvenil (Junge Patrouille). Nach einem Studienaufenthalt in England studierte sie Wirtschaft an der Päpstlichen Katholischen Universität von Chile. Dort lehrte sie später als Wirtschaftsprofessorin. Sie besetzte auch Positionen in der Privatwirtschaft, war unter anderem die stellvertretende Leiterin der Abteilung Einzelhandel und Tourismus der von Präsident Piñera gegründeten Kreditkartenfirma Bancard S.A.

Im Jahr 1992, nach einem Skandal bezüglich ihrer Kandidatur für die internen Abstimmungen der Präsidentschaftskandidaten der RN, verließ Matthei die Partei und näherte sich der UDI an, welcher sie im Jahr 1999 beitrat. Ab 1997 war Matthei Senatorin. Im Jahr 2011 wurde sie von Präsident Piñera zur Ministerin für Arbeit und Soziale Sicherheit berufen. Noch im März dieses Jahres hatte sie verkündet, sich nach Ablauf der Legislaturperiode aus der Politik zurückzuziehen.

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