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Formaljuristisch, journalistisch?

Von Harald Neuber

Am 6. August berichteten wir über die wachsende Kritik in der Bloggerszene an der Berichterstattung des ZDF "heute journals". Jan Rechlitz vom Weblog Bluejax hatte sich die Mühe gemacht, der Redaktion zu schreiben. Nun kam die Antwort von Carsten Thurau, dem Südamerika-Korrespondenten des ZDF.

Der Kollege Thurau antwortet zwar ausführlich auf den offenen Brief, in den entscheidenden Punkten aber gerät er ins Schlingern. Zur Erinnerung: Kritisiert wurde, dass "heute journal"-Moderatorin Marietta Slomka in der Anmoderation zu einem Beitrag über den privaten venezolanischen Fernsehsender RCTV unzulässig zugespitzt hatte. Einzelne Aussagen gingen in ihrer aggressiven Kritik an der venezolanischen Regierung sogar über die Darstellungen im folgenden Beitrag selbst hinaus. Kritisiert wurde auch, dass das ZDF-Journal die Nichtverlängerung einer staatlichen TV-Kanal-Lizenz mit der "Schließung" des Senders gleichgesetzt hat. Auf all dies geht Thurau nicht oder nur indirekt ein.

Statt dessen gesteht er ein, dass es sich "formaljuristisch ... nicht um eine Senderschließung" gehandelt habe. Trotzdem sei die Entscheidung der Regierung in Caracas "für mich ein klarer Angriff gegen die Pressefreiheit". Ergo: Geschlossen wurde der Sender zwar nicht, wir sagen das aber trotzdem, weil das irgendwie unserem Eindruck entspricht.

Soviel zur "journalistischen Sorgfaltspflicht", auf die Thurau Wert legt. Was bleibt, ist eine verpasste Chance, die Fehler einzugestehen. Und die Frage natürlich, ob die Uneinsichtigkeit den Ressentiments (oder dem politischen Auftrag) Thuraus und seiner Redaktion geschuldet sind - oder einfach deren Unkenntnis der Lage.

Auf letzeres zumindest weist der Bezug auf die "sonntägliche Sendung" von Hugo Chávez hin. Das Programm "Aló Presidente" heißt bei Thurau "Hóla Presidente". Ein Titel, zwei Fehler. Immerhin aber bleibt er damit unter dem Fehlerdurchschnitt des inkriminierten Beitrags.

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Presse
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