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Glaubwürdigkeit schwer erschüttert

Chávez, die Medien und eine US-Wunderwaffe

Von Harald Neuber
amerika21.de

Seit dem verheerenden Erdbeben in Haiti am 12. Januar geisterte eine absurd anmutende Meldung durch die Medien. Venezuelas Präsident Hugo Chávez habe die Naturkatastrophe den USA in die Schuhe geschoben. Ursprung der Meldung ist aber nicht der Staatschef selbst, sondern die spanische Tageszeitung ABC.

Deren Mitarbeiterin Noelia Sastre berichtete am 20. Januar über die vermeintlichen Skandaläußerungen. Sastre zitiert Chávez zwar, gibt aber keine Quelle an. Stattdessen beruft sich die spanische Journalistin auf einen Bericht mit der fragwürdigen These, der auf der Seite des venezolanischen Senders VIVE erschien. Was sie nicht schreibt: Die Meldung stammt von der Seite des Nationalradios RNV, von der sie – offenbar nach redaktioneller Prüfung – schnell wieder verschwand. Der VIVE-TExt ist eine Kopie.

Obgleich es keinen Originalton von Chávez zu der "Wunderwaffe" gibt, macht die Meldung seither die Runde. Schon die Zeitung ABC gab die Stoßrichtung vor, indem sie die vermeintlichen Äußerungen des Venezolaners als "übliche Paranoia" einordnete. Auch im deutschsprachigen Raum fand die Meldung weite Verbreitung, eine Gegenrecherche bleib aus. Einzig in der Blogsphäre gab es Widerspruch. Die Seriosität der Medien ist mit diesem Fall – passend zum Erdbeben … schwer erschüttert.

Die Zeitungsente schmälert aber nicht nur die Glaubwürdigkeit der Medien, sie hat auch konkrete politische Auswirkungen. So nutzte sie der Geschäftsträger der US-Botschaft in Caracas, John Caulfield, um die venezolanische Regierung anzugreifen. "Ebenso wie (die linksgerichteten Staatsführungen in) Bolivien und Nicaragua nutzt Venezuela diese Situation (in Haiti), um von den gewaltigen Problemen im eigenen Land abzulenken", so Cautfield.

Dabei gibt es für Chávez-kritische Transatlantiker und US-Diplomaten einen anderen Fall politischer Idiotie. Im US-Kanal CBS führte der konservative Fernsehprediger Pat Robertson das Erdbeben auf die Geschichte Haitis zurück. Die dort lebenden ehemaligen Sklaven hätten zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, so Robertson, der über gute Verbindungen zur Republikanischen Partei der USA verfügt. Der Teufel habe Haiti geholfen, die Freiheit von den französischen Kolonisatoren zu erlangen – und das Erdbeben sei nun die Strafe Gottes. So sei auch zu erklären, dass die christliche Dominikanische Republik, der Nachbarstaat Haitis auf der Insel Hispaniola, unversehrt blieb. Im Gegensatz zu den Chávez-Meldungen fügen wir bei amerika21.de dafür die Quelle an. Schauen Sie mal rein, es lohnt sich.

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